Neumünster : Das Fahrradstraßen-Netz wächst

Erste Tour auf der neuen Fahrradstraße: Verkehrsplaner Michael Köwer (rechts)und Hans-Wilhelm Rahn (ADFC).
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Erste Tour auf der neuen Fahrradstraße: Verkehrsplaner Michael Köwer (rechts)und Hans-Wilhelm Rahn (ADFC).

In der Rembrandtstraße haben Radfahrer künftig Vorrang. Das städtisches Radverkehrskonzept soll ab April beraten werden.

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08. November 2017, 10:15 Uhr

Die Stadt Neumünster hat sich auf die Fahnen geschrieben, mehr für den Fahrradverkehr zu tun. Einen ersten Aufschlag hatte das Rathaus in der Carlstraße gewagt, jetzt folgte der zweite Streich. Ab sofort haben Radler in der Rembrandtstraße Vorrang vor dem Autoverkehr. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras enthüllte gestern ein Schild an der Ecke zum viel befahrenen Sachsenring, das die Straße als Fahrradstraße ausweist.

Die neue Fahrradstraße soll für eine sicherere Verbindung aus den Stadtteilen Gadeland und Ruthenberg in die Innenstadt sorgen. Zwar ist die für Radler freigegebene Straße nur ein etwa ein Kilometer langer Teil dieser Strecke, doch sie knüpft an bereits recht radlerfreundliche Trassen an – aus der Innenstadt an Brüggemannstraße und Haartallee. „Als ehemaliger Gadelander kann ich sagen: Das war meine Hauptradverkehrsachse“, sagte der OB.

Profitieren sollen von der neuen Fahrradstraße aber nicht nur radfahrende Berufspendler aus dem Südosten der Stadt, sondern vor allem auch Schulkinder, die mit dem Fahrrad zukünftig sicherer unterwegs sein sollen. Zwar ist die Fahrradstraße nicht ihnen allein vorbehalten – ein Zusatzschild erlaubt auch Autor- und Motorradverkehr – doch sie dürfen beispielsweise nebeneinander radeln, erläuterte Verkehrsplaner Michael Köwer.

Für Autofahrer bedeute das: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Stundenkilometer, und die Geschwindigkeit ist zu verringern, wenn Zweiräder vorausfahren oder entgegenkommen. Sie haben immer Vorrang. Fahrradfahrende Kinder unter acht Jahren müssten allerdings auch weiterhin den Gehweg oder Seitenstreifen benutzen, soweit vorhanden und benutzbar.

Die Initiative zur Ausweisung der neuen Fahrradstraße ging vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club)aus. Die Neumünsteraner Ortsgruppe hatte auf dieses Strecke aufmerksam gemacht, und die Stadt reagierte. In den Gremien gab es kaum Bedenken. „Und so konnten wir die Vorschläge schnell umsetzen“, sagte Tauras sehr zur Freude von Hans-Wilhelm Rahn, stellvertretender ADFC-Vorsitzender in Neumünster.

Er mahnte zu mehr Tempo und stellte einen Vergleich an. Kiel habe inzwischen ein Fahrradstraßennetz von 14 Kilometern Länge und sogar sogenannte Fahrradschnellwege, Neumünster komme gerade einmal auf 1,3 Kilometer. „Dabei gibt es auch hier viele Trassen, die man nutzen könnte“, sagte er.

Über die neue Fahrradstraße wenig erfreut zeigte sich SPD-Ratsherr Bernd Delfs. Er wohnt in der Rembrandtstraße. Diese sei nicht als Fahrradstraße geeignet, kritisierte er. „Hier gibt es durch die vielen einmündenden Anliegerstraßen zu viel Autoverkehr.“

Wichtige weitere Impulse erwarten OB Tauras und Verkehrsplaner Köwer vom Radverkehrskonzept für Neumünster. Dieses wird zurzeit erarbeitet. Ein erster Entwurf soll ab April politisch beraten werden.

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