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Holsteinischer Courier

23. August 2017 | 20:15 Uhr

Kunstflecken : Das Experiment ist sein Metier

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Ausnahme-Pianist Brad Mehldau hielt musikalische Zwiesprache mit seinem Instrument

Neumünster | Brad Mehldau setzte sich ans Klavier, verschmolz augenblicklich mit dem Instrument und die 320 Zuhörer in der ausverkauften Werkhalle waren verzückt. Man konnte den Eindruck gewinnen, die musikalischen Erzählbögen entstünden bei dem amerikanischen Ausnahmepianisten erst im Augenblick des Anschlages. Er selbst schien außerhalb von Raum und Zeit. Mit einem Konzert der Extraklasse begeisterte Mehldau am Sonnabendabend beim Kunstflecken.

Brad Mehldau gehört zu den experimentierfreudigsten, vielseitigsten und innovativsten Jazzmusikern der Gegenwart. Sein musikalischer Kosmos umfasst unter anderem deutsche Klassik (Schubert, Bach), aber auch Oscar Peterson, Keith Jarrett sowie Miles Davis und John Coltrane. Der 45-Jährige integriert in sein Repertoire neben Eigenkompositionen und Jazzstandards auch scheinbar jazzferne Musik, wie beispielsweise von Folksänger Nick Drake. Dabei hatten es seine Zuhörer in der Werkhalle oft nicht leicht, die musikalischen Stammväter seiner unendlich gekonnten Improvisationen herauszuhören. „Paranoid Android” von Radiohead gehörte dazu. Bei seinem Rückgriff auf die Beatles war es schon einfacher und bei der ersten Zugabe spielte er Bob Dylan fast original. Da brandete der Beifall besonders auf.

Seine zweihändigen kontrapunktischen Improvisationen ließen sowohl donnernden Sturm durch die Werkhalle fegen, zugleich auch filigrane Kolibris fliegen. Es schien mehr als nur ein Klavier zu sein: Man glaubte Streicher, ja sogar Gesang zu hören.

„Ein beeindruckendes Klavierspiel. Es war echt Klasse, einfach toll“, fand Hartmut Krumbein aus Neumünster. Seine Meinung teilte wohl die Mehrheit der Gäste und feierte den Jazzmusiker stehend mit Bravorufen und lang anhaltendem Beifall, was Mehldau zu mehreren Zugaben herausforderte.

Daniel und Natascha Hoppmann aus Kiel brachten es auf den Punkt: „Ein ganz tolles Konzert. Obwohl wir eine CD von ihm haben, konnten wir nicht alles erkennen. Wir sind schwer beeindruckt wie er Klavier spielte.“

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erstellt am 07.Sep.2015 | 08:30 Uhr

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