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Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 23:54 Uhr

Negenharrie : Das Dosenmoor bekommt eine Kur

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der zentrale Torfkörper soll weiter vernässt und der Abfluss aus dem Moor kontrolliert werden. Die Arbeiten werden bis zu fünf Jahre dauern.

Grossharrie | Mehr Lebensraum für Frösche, Kraniche und Torfmoose – das Dosenmoor soll nicht nur erhalten, sondern auch noch weiter entwickelt werden. In Negenharrie wurden vorgestern Abend die Pläne dafür präsentiert. Mit den Arbeiten zur Renaturierung soll dieses Jahr begonnen werden.

Im Mai 2015 stellten Planer und Entwickler die ersten Pläne für die Zukunft des Dosenmoors zwischen Neumünster und Großharrie vor. Jetzt gehen die Planungen in die nächste Runde. Donnerstag zeigten Diplom-Ingenieur Holger Mordhorst-Bretschneider und Dr. Susanne von Stamm aus Nortorf ihre Vorschläge zur Erhaltung des Moores auf. Etwa 50 Zuhörer waren dafür in den Landgasthof „Zum alter Haeseler“ in Negenharrie gekommen.

„Es bestehen gute Chancen, das Dosenmoor zu erhalten und weiter zu einer vielfältigen Lebensraumgemeinschaft auszubauen“, erklärte der Planer. Zwar gebe es neben Höhenunterschieden von bis zu etwa drei Metern ausgesprochen unterschiedliche Flächen, die vom zentralen Hochmoorkörper bis hin zu den Birkenwaldstreifen und Wiesengürteln im Randbereich reichen, trotzdem sei eine Renaturierung und Weiterentwicklung machbar.

Die Höhenunterschiede rühren von einer Quellung des zentralen Torfkörpers und der ehemaligen Torfgewinnung her. In den niedriger gelegenen Teilen gibt es die für Moore typischen Schlenken (Vertiefungen) und Bulten (Hügel), auch Torfmoose haben sich wieder angesiedelt und sorgen für Moorwachstum. „Der überwiegend aus Birken entstandene Waldstreifen erfüllt auch eine Schutzfunktion für die sensiblen Lebensraumgemeinschaften im Dosenmoor“, erklärte Mordhorst. Mit der Anlage neuer Dämme und Mönche zur Wasserstandsregulierung soll der zentrale Torfkörper weiter vernässt werden. Durch das Aufquellen liegt der jetzt zu hoch und fällt zu trocken. Stellenweise haben sich Heiden mit einem ganz eigenen Mikroklima gebildet. In den Randbereichen sollen naturnahe Auwälder entstehen.

Das gesamte Vorhaben ist kein kleiner Eingriff, waren sich die Planer einig. Auch werde es voraussichtlich bis zu fünf Jahre dauern, bis die in mehreren Bauabschnitten geplanten Arbeiten abgeschlossen sind. Wie auch Angelika Bretschneider aus dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume erklärte, sei das Vorhaben Zielen des Europäischen Schutzraumprogramms geschuldet. Hiernach gelte es, etwa Gebiete wie das Dosenmoor, das zugleich Naturschutzgebiet und ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) ist, besonders zu schützen, zu erhalten und weiter zu entwickeln. Die europäische Vorgabe weist dabei nicht nur den Erhalt, sondern auch eine Zustandsverbesserung der Schutzgebiete aus. „Das Dosenmoor gilt dabei als eines der besten Moore in Schleswig-Holstein“, sagte Angelika Bretschneider. Unterm Strich sollen Kraniche, Schmetterlinge wie das kleine Nachtpfauenauge, Kreuzottern, Vögel wie die Bekassine oder Neuntöter ebenso profitieren wie Pflanzengesellschaften oder Besucher, die das einzigartige Gebiet aufsuchen. Außerdem wies Planer Mordhorst auf die Gefahr eines unkontrollierten Überlaufens des Moores hin. Bereits jetzt gibt es auf der Großharrier Seite starke Abflüsse über die Dosenbek, die letztlich in die Schwale und die Stör münden. Bei einem Dammbruch etwa könnte viel zu viel saures Moorwasser sogar zu einem Fischsterben in Stör und Schwale führen. Auch das würde durch eine kontrollierte Abflusssteuerung vermieden. All das könnte durch die neuen Dämme und Mönche geschehen.

Geht es nach den Planern, soll noch in diesem Jahr mit den Arbeiten begonnen werden. Zurzeit ist ein sogenanntes wasserbaurechtliches Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht worden, in dem nicht nur die Träger öffentlicher Belange, sondern auch Vereine, Verbände und Privatanlieger zu Gehör kommen können, informierte Jörg Rowehl vom Fachdienst Natur und Umwelt der Stadt Neumünster. Außerdem kündigte Jutta Walter von der Stiftung Naturschutz an, dass bereits in den nächsten Tagen mit Baumfällarbeiten auf der geplanten Walltrasse begonnen werden soll. 


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