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Kunst am Bau : Das besondere Fenster mit dem langen Namen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kunstwerk in der Stadthalle bekommt nach 30 Jahren endlich sein Namensschild verpasst

von
erstellt am 03.Jun.2016 | 09:00 Uhr

Neumünster | Nicht jedes Kunstwerk hat einen Namen – dieses schon, sogar einen recht langen: „Fensterabdruck aus dem Zimmer, in dem ich lebe und arbeite und das ich liebe ... in einem Haus, das zum Abriss bestimmt ist“ hat Cathy Fleckstein ihr Werk benannt – und damit auch gleich eine kleine Geschichte erzählt.

Seit 30 Jahren schmückt das monumental-filigrane Werk aus gebranntem Ton die Stirnseite im Foyer der Stadthalle, direkt gegenüber vom Haupteingang. Zur Eröffnung der Halle 1986 hatte der Verein zur Förderung der Kunst der Stadt damals die markante Plastik der jungen Kieler Künstlerin spendiert. Eine Jury aus Politik und Kunstverständigen hatte das Werk aus der Wettbewerbs-Präsentation von vier Künstlern ausgewählt . Der Kunstverein kaufte das Werk für 50 000 DM an und schenkte es der Stadt. Für den Betrachter blieb es allerdings namenlos. Bis jetzt.

„Wir sind immer wieder auf das Werk angesprochen und gefragt worden“, sagt Babett Schwede-Oldehus, heute erste Vorsitzende des Kunstvereins. Als sie zum 60. Geburtstag der Künstlerin Cathy Fleckstein im vergangenen Jahr deren Ausstellung in Kellinghusen besuchte, machte sie deshalb Nägel mit Köpfen und lud die Künstlerin nach Neumünster ein, der interessierten Öffentlichkeit endlich Ross und Reiter zu nennen. Seit ein paar Tagen informiert unter der Plastik eine dezente Beschilderung über Werk und Künstlerin.

Die zeigte sich jetzt bei ihrem Besuch in der Stadthalle angetan und dankbar. Der Ankauf der Plastik durch die Stadt habe ihr damals den Weg in die Selbstständigkeit als freischaffende Künstlerin geebnet. Und – einmal an ihre junge Phase erinnert – erklärte die längst etablierte Künstlerin mit eigener Werkstatt in Preetz auch gleich noch einmal den merkwürdigen Titel ihrer Arbeit: Der „Fensterabdruck“ spiegele tatsächlich das Fenster ihres damaligen Studenten-Ateliers in der Kieler Dahlmannstraße wider. Aus Liebe zu ihrem Arbeitsstoff Ton und aus Protest gegen den drohenden Abriss der Künstervilla habe sie damals das Atelier-Fenster mit Ton versiegelt... Kunst geht eben mitunter ungewöhnliche Wege, aber das macht sie ja gerade aus.

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