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Sicherheit für die Justiz : Das Amtsgericht hat aufgerüstet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine Schleuse mit Metalldetektor und Kontrollen sind jetzt der tägliche Standard am Eingang. Personen und Taschen werden genau untersucht. So sollen Übergriffe in Prozessen verhindert werden.

Es ist eine Sicherheitsschleuse wie im Frankfurter Flughafen: Wer das Amtsgericht an der Boostedter Straße besuchen will, muss neuerdings einen Sicherheitscheck durchlaufen. Seit wenigen Wochen ist moderne Technik an den beiden Eingängen an der Boostedter Straße und an der Gerichtsstraße installiert. Allerdings ist im Normalbetrieb ausschließlich der Zugang über die Boostedter Straße möglich. Nur Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen werden durch den Neubau gelassen.

Sobald die historische Holztür hinter dem Besucher ins Schloss fällt, trennt eine neue Wand die kommenden und die gehenden Gäste. Nach der Treppe im Eingangsbereich ist dann erst einmal Schluss. Nur auf Knopfdruck eines Justizwachtmeisters, der von einem ebenfalls neu installierten Auskunftstresen aus durch eine Scheibe und per Monitor den Gast sehen kann, öffnet sich die Schwingtür. Unmittelbar danach tritt der Gerichtsbesucher in einen Detektor, der Metallgegenstände anzeigt.

„Das Gerät ist die neuste Generation und wurde bereits am Frankfurter Flughafen getestet“, sagt der 1. Leitende Justizhauptwachtmeister Reinhard Speiser, der in Neumünster gemeinsam mit sieben Kollegen – davon zwei Frauen – wochentags von 8 bis 16 Uhr für die Sicherheit zuständig ist. Das Gerät kann auf drei Sensibilitäts-Stufen eingestellt werden und zeigt den beiden diensthabenden Beamten sogar die Höhe des verdächtigen Gegenstandes am Körper an. So kann anschließend der Mitarbeiter bei der Kontrolle den Bereich besser eingrenzen und gegebenenfalls mit einem Handdetektor weiter überprüfen.. „Kürzlich hat das Gerät uns sogar Stahlkappen in den Schuhen gemeldet“, erzählt Reinhard Speiser. Normalerweise piept es bei Schlüsseln, Gürtelschnallen oder Schmuck.

Auch die Taschen der Besucher werden im Eingang genau unter die Lupe genommen. „Wer nicht möchte, dass wir hineinsehen, hat drei Möglichkeiten: Er kann die Tasche bei uns hinterlegen, er kann sie zum Beispiel ins Auto bringen oder er muss wieder gehen“, so der Sicherheitsexperte.

Demnächst wird noch ein Schild außen vor der Eingangstür aufgebaut, das genau zeigt, welche Gegenstände im Gericht verboten sind: Flüssigkeiten, Kameras, Hund e und Waffen aller Art kommen nicht durch die Kontrolle. Auch Sprays – wie Deo oder Haarsprays – sind untersagt: „Denn wenn man da ein Feuerzeug dranhält, werden sie zum Flammenwerfer“, so der Justizbeamte.

Wie effektiv die neuen Sicherheitsvorkehrungen sind, hat Reinhard Speiser bereits erfahren: Acht verbotene Einhandmesser mit feststehender Klinge haben er und seine Kollegen Besuchern seit Juli abgenommen, ebenso wie illegale Sprays. „Das waren meist ganz normale Leute, die sich nichts dabei gedacht haben. Einer benutzte sein Messer zum Briefeöffnen und hatte es deshalb dabei“, sagt Speiser.

Rund 126 000 Euro hat die neue Technik gekostet, die unter Mitarbeit des Denkmalschutzes in das historische Gebäude eingebaut wurde und zum Sicherheitskonzept des Justizministeriums für alle Gerichte im Land gehört. Gut angelegtes Geld, wie die Beschäftigten meinen. „Es gibt uns allen ein gutes Sicherheitsgefühl“, meint Amtsgerichtsdirektor Andreas Martins. Denn es sind nicht die großen Rockerprozesse, bei denen sowieso die Mobile Einsatzgruppe (MEG) Justiz und oft auch die Polizei anrücken, die den Juristen und Justizwachtmeistern Sorgen machen. Stattdessen kommt es immer mal wieder bei Scheidungsprozessen, Sorgerechtsentscheidungen oder Insolvenzfälle zu kritischen Situationen. „Das sind oft hoch emotionale Angelegenheiten. Das Amtsgericht bekommt das volle Leben zu sehen mit vielen Enttäuschten, Frustrierten und auch psychisch Kranken“, erklärt Martins.

Bisher stieß der neue Sicherheitscheck bei den meisten Besuchern auf Verständnis, haben der Direktor und sein Sicherheitschef beobachtet. „Manche älteren Leute grummeln schon mal, aber die meisten nehmen ’s mit Humor“, erzählt Reinhard Speiser. „Oft heißt es: ‚Das ist ja wie am Flughafen. Wo fliege ich denn jetzt hin?‘“


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erstellt am 23.Aug.2013 | 16:29 Uhr

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