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Kolumne „Diese Woche“ : Dann nehmen wir eben die Daisy-Duck-Straße

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Redakteur Thorsten Geil hat in der Ratsversammlung zugehört und wundert sich über die Namensgebung von Straßen in Neumünster

Neumünster | Wenn man sehr, sehr genau hinhörte, dann konnte man am Dienstag bei Uwe Dörings kurzem Auftritt zu Tagesordnungspunkt 12 in der Ratssitzung spüren, dass er seinen Spaß hatte. „Wiederbesetzung der Stelle des derzeitigen Stadtrates Herrn Oliver Dörflinger“ war das Thema. Der ist bekanntlich Christdemokrat und soll für weitere sechs Jahre zum Stadtrat und Kämmerer gewählt werden. Das ist völlig unstrittig, weil Dörflinger sechs Jahre lang gut auf die Stadtkasse aufgepasst hat und in den Augen aller einen guten Job macht.

Das bescheinigte ihm Uwe Döring auch vom Rednerpult aus. „Herr Dörflinger macht seine Aufgabe gut, unaufgeregt, solide und zielorientiert. Die SPD möchte ihn für sechs Jahre bestätigen.“ Und dass er nun am Mikrofon stehe, habe auch „etwas mit Wertschätzung zu tun“, sagte Döring und ging von der Bühne ab.

Spätestens jetzt hätte vielleicht jemand aus Dörflingers eigener Partei aufspringen und ihn auch mal anständig loben können. Aber weder der Parteichef Wolf Rüdiger Fehrs noch der Fraktionsvorsitzende Gerd Kühl rührten sich. Auch Dörflingers Vorgesetzter, Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, ging nicht in die Bütt. Irgendeiner hätte mit zwei, drei Sätzen begründen können, warum die Ratsversammlung heute formal auf eine Ausschreibung verzichten und den Kämmerer dann in der nächsten Sitzung wiederwählen sollte. Aber der Sozi Döring blieb der einzige Lobredner auf den CDU-Mann.

Da mag ein bisschen Kalkül im Spiel gewesen sein, denn es ist ja bekannt, dass die Sozialdemokraten demnächst ebenfalls einen Stadtrat durchbringen wollen. Der Nachfolger von Günter Humpe-Waßmuth (SPD) soll natürlich auch wieder jemand mit sozialdemokratischem Stallgeruch sein. Die Regeln sind klar: „Wähle ich deinen Kämmerer mit, wählst du meinen Sozialdezernenten mit.“ Nur leider hat die SPD noch gar keinen geeigneten Bewerber gefunden, was nicht für ihre Weitsicht spricht; die Ausschreibung musste verlängert werden. Die Kreisvorsitzende Kirsten Eickhoff-Weber, so wird in der SPD gemeckert, hat sich um diese Top-Personalie nicht gekümmert – genau so wenig wie um einen chancenreichen Gegenkandidaten bei der OB-Wahl 2015.

Der Abschied von unserem Alt-Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder war gestern sehr würdevoll. Er wird dieser Stadt fehlen. Harder hat viele in den letzten Jahren ein bisschen an Helmut Schmidt erinnert. Auch Harder war ein Mann der Tat. Er stand dafür, seine Entscheidungen durchzuziehen, auch mal gegen die Linie der eigenen Partei, aber trotzdem bis zum letzten Atemzug ein Sozialdemokrat zu bleiben. Seine Taten und Überzeugungen werden bleiben.

Was ihm dagegen in dieser Stadt wohl auf absehbare Zeit verwehrt bleiben wird, ist eine eigene Straße. Weil unsere Ratsversammlung einen Beschluss gefasst hat, wird es keine Dr.-Uwe-Harder-Straße geben, bis nicht alle Frauennamen dieser Welt auf Schilder gepresst worden sind. Für den Stadtpräsidenten Karl Rahe (1955/56, 1957) ist eine Benennung ja letzte Woche grandios gescheitert – Vorschlag vom Bauausschuss abgelehnt. „Vorzugsweise sind Frauen zu würdigen“, hatte der Rat 2014 schließlich beschlossen. Und offenbar kommt niemand auf die Idee, diesen Unsinn zu widerrufen oder zumindest Ausnahmen zuzulassen.

Tja, wenn es weder eine Harder-Straße noch einen Friedrich-Wilhelm-Strohdiek-Platz oder eine Chris-Gueffroy-Allee (letztes Maueropfer, Ratsbeschluss von 2007) geben darf, dann suchen wir uns für künftige Straßennamen eben Frauen aus aller Welt zusammen. Die amerikanische Malerin Mary Cassatt hat tolle Bilder gemalt. Romy Schneider hat süße Filme gedreht. Und Daisy Duck ist ja auch weiblich.

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erstellt am 21.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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