Aktionswoche Schuldnerberatung : Damit der Ratenkredit nicht in die Schuldenfalle führt

Von Wobau-Immobilienkaufmann Jan Burow erfuhren Lilly Wilkonski (15, von links), Janina Subiz (15), Laura Linke (15) und Annika Hahn (15), welche Kosten neben der Kaltmiete noch bei der ersten eigenen Wohnung auflaufen.
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Von Wobau-Immobilienkaufmann Jan Burow erfuhren Lilly Wilkonski (15, von links), Janina Subiz (15), Laura Linke (15) und Annika Hahn (15), welche Kosten neben der Kaltmiete noch bei der ersten eigenen Wohnung auflaufen.

Informative Rallye führte Neuntklässler der Wilhelm-Tanck-Schule rund ums Thema Geld und Schulden.

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25. Juni 2014, 07:15 Uhr

Neumünster | Ich bin 18 – was kostet die Welt? Ein Klick, und der Ratenkauf im Internet ist perfekt. Das neue Smartphone gibt es für einen Euro, also praktisch geschenkt. „Dass die laufenden Kosten schnell zur Schuldenfalle werden können, wissen viele Jugendliche nicht“, sagt Imke Nemitz von der Schuldnerberatung der Diakonie Altholstein. In der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung hat sich die Diakonie bewusst auf die Zielgruppe der jungen Erwachsenen konzentriert. Der Courier begleitete die Neuntklässler Lilly Wilkonski, Janina Subiz, Laura Linke und Annika Hahn von der Wilhelm-Tanck-Schule bei der Schüler-Rallye rund ums Thema Geld und Schulden.

„Es kommen immer mehr junge Menschen zu uns in die Beratungsstelle mit einem Berg von Schulden“, erfahren die Schülerinnenvon Imke Nemitz und ihren Kolleginnen Janine Trepel und Silvia Stenzel. Oft sind es Schulden bei Energieversorgern, dann droht die Sperre. „Das Licht, der Kühlschrank, selbst die Klingel funktioniert dann nicht“, sagt Imke Nemitz. Was hat das mit den Schülern zu tun, die ja noch bei ihren Eltern wohnen? „Irgendwann kommt die erste eigene Wohnung, und dann werden die Themen für euch wichtig“, sagt Imke Nemitz. Bewaffnet mit einem Fragebogen geht es auf Tour.

Erste Station ist die Sparkasse Südholstein. Von Regina Engelmohr erfahren die Teilnehmer, wie ein Jugendgirokonto funktioniert – und warum es nicht ins Minus rutschen darf. Und dass später – wenn sie als junge Erwachsene ihr erstes Geld verdienen und auch einen Dispokredit in Anspruch nehmen können – eine Überziehung des Limits teuer werden kann. Als wichtigste Versicherungen legt Makler Carsten Rückemann den Rallye-Gängern die Privathaftpflicht- und danach die Berufsunfähigkeitsversicherung nahe. Im SWN-Kundencenter erfahren die Jugendlichen von Heike Gebhard, dass auch die Stadtwerke nichts zu verschenken haben. Wer seine Stromrechnung nicht zahlt, riskiert Mahnungen, das Inkasso und die Abschaltung. „Das wird teuer“, so Heike Gebhard.

Und immer wieder begegnet den Schülern der Begriff der Kreditwürdigkeit. „Bei einer negativen Auskunft wird es schwer, eine Wohnung zu finden“, sagt Jan Burow von der Wobau. Die Wohnungsbaugesellschaft verlangt von Mietinteressenten eine Schufa-Auskunft. Wenn die Miete nicht pünktlich fließt, wird angemahnt, etwa über die Auskunftei Creditreform. „Wir schützen gegen schädliches Kreditgeben“, erfährt das Quartett hier von Hartmut Goroncy. Er meint damit nicht nur den Schutz des Kreditgebers, sondern auch des Schuldners. „Nicht jeder ist bei Auskünften ehrlich, und einige leben über ihre Verhältnisse“, so Goroncy.

Am Ende der Rallye sind die Schüler um einiges schlauer. „Das war interessant. Man bedenkt jetzt vieles anders“, sagt Lilly Wilkonski. Für die Profis von der Schuldnerberatung ist die Rallye eine gelungene Premiere. Das Thema ist wichtig. „Neumünster hat bundesweit eine negative Spitzenstellung, was Überschuldung angeht“, sagt Imke Nemitz.

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