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Dänischer Autor sprach über die menschlichen Abgründe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 14.Aug.2015 | 14:01 Uhr

Mit dem Satz „Der Roman ist nichts für Angsthasen“ begrüßte der Leiter der Stadtbücherei, Dr. Klaus Fahrner, am Dienstagabend gut 60 Gäste. Sie wollten an der Wasbeker Straße den dänischen Autor Kim Leine erleben. Mit seinem zweiten in deutscher Sprache erschienenen Roman „Ewigkeitsfjord“ thematisiert Leine den kulturellen Zusammenstoß zwischen den „Wilden“ in Grönland und den von der Aufklärung erfassten Dänen.

Sein Protagonist Pfarrer Morten Falk, der nach seiner Ausbildung als Missionar zu den Eskimos übersiedelt, um „etwas auszurichten, um seinem Leben einen Sinn zu geben“ scheitert auf der ganzen Linie. Dieser tiefe Fall, so Leine, schaffe für ihn den Raum, um Widersprüche der Zeit am Ende des 18. Jahrhunderts deutlich zu machen, etwa zwischen Religion und Aufklärung. Er beschreibt sie als Abgründe des menschlichen Lebens auf Grönland.

In einer atmosphärisch dichten Sprache schilderte Leine beispielsweise die prophetische Suche einer religiösen Bewegung neben dem Christentum durch die Figuren Maria Magdalena und Habakuk in einer freien Gemeinde am Ewigkeitsfjord. So sagt Maria Magdalena im Roman: „Das Lachen gehört zum heidnischen Leben, Tränen zum christlichen.“ Gerade mit den Nebenfiguren, besonders den Frauen, zeichnete Leine das Zusammenprallen der Lebensweisen, das Aufeinandertreffen von Triebkräften der Eskimos mit denen der Kolonisatoren. Allegorisch benutzt der Autor unter anderem eine Kuh namens Roselill für die Mühen des Überlebens, für die Möglichkeiten der Aufklärung und der Liebe. Sein Roman lehne sich an das Motto des französischen Aufklärers Rousseau an: Der Mensch ist in Freiheit geboren, lebt aber in Fesseln.

Die historischen Fakten recherchierte Leine aus Aufzeichnungen dänischer Missionare im 18. Jahrhundert in Grönland. Aber auch eigene Erfahrungen auf der Insel flossen ein, denn er lebte in den 90er-Jahren mit seiner Familie auf Grönland.

Wohltuend waren für die Gäste die Rollen der drei Protagonisten: Die Moderatorin Dr. Julia Weitbrecht, Juniorprofessorin an der Uni Kiel, stellte Kim Leine vor, der dänisch aus seinem Roman las. Der Schauspieler Tom Keller trug die Passagen in deutscher Sprache vor. Julia Weitbrecht entlockte dem Autor zahlreiche Details aus seinem Schaffen, die die Zuhörer auch zu eigenen Fragen herausforderten.

Die Lesung war eine Veranstaltung im Rahmenprogramm des Schleswig-Holstein Musik-Festivals und zugleich im „Literatursommer Schleswig-Holstein“ mit dem Schwerpunkt Dänemark.

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