Theater : Csárdásfürstin mit Unstimmigkeiten

Die Csárdásfürstin (Szenenbild / Archiv) konnte im Theater in der Stadthalle nicht restlos überzeugen.
Die Csárdásfürstin (Szenenbild / Archiv) konnte im Theater in der Stadthalle nicht restlos überzeugen.

Die Instrumente waren bei der Vorstellung des Operettentheaters Budapest nicht eingespielt, die Stimmen nicht eingesungen.

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05. Januar 2015, 10:00 Uhr

Neumünster | Zum Jahresauftakt 2015 wurden Neumünsters Operettenfreunde im ausverkauften Theater in der Stadthalle mit Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ ins schöne Ungarland, in die K.u.k.-Monarchie, in die elitäre (Schein-)Welt der Aristokratie und der „leichten“ Mädchen entführt. Manch Heimatlich-Folkloristisches brachte das Ensemble des Operettentheaters Budapest dabei nach Neumünster mit.

Auf der Bühne präsentiert wurde eine Inszenierung von Alt-Meister Robert Herzl, die mit einigem Erfolg versuchte Ernsthaftigkeit und Komik, steife Etikette, Parodie und Kalauerei unter einen Hut zu bringen. Dazu illustrierte das nicht zu operettige Bühnenbild (Kornélia Berkes) die Schauplätze in Budapest und Wien. Die junge Balletttruppe und der kleine Chor passten sich in diese Szene ein.

Das Äußere, einschließlich der Kostüme (Barna Tóth), gelang also insgesamt positiv. Das Musikalische leider weniger, denn die Instrumente waren nicht eingespielt, die Stimmen nicht eingesungen, was zu zahlreichen Misstönen und Unstimmigkeiten zwischen Bühne und Orchester (Dirigent: Laszlo Gyuker) führte.

Sänger und Musiker erreichten erst im letzten Drittel der Aufführung die erforderliche Betriebstemperatur, wurden so locker und präzise wie man sie sich vom ersten Takt an gewünscht hätte – und wie Kalmans großartige Melodien es verdient hätten. Für besondere instrumentale Höhepunkte sorgte die dreiköpfige Zigeunerkapelle unter der Leitung von Primás János Johan mit Geige, Bass und Zymbal, dem ungarischsten aller Instrumente.

Schon in der Pause scharrte sich das Publikum um die drei exzellenten Musiker, die auch durch die Überleitungsmusik vom zweiten zum dritten Akt und ihren weiteren Einsatz auf der Bühne der Aufführung den richtigen, mitreißenden Drive gaben.

Am 18. November 1915 wurde „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán (1882-1953) in Wien uraufgeführt und verursachte in Adels- und Offizierskreisen große Empörung, man sprach sogar von „Verunglimpfung der bedeutendsten und höchsten Schichten der Monarchie“. Heute wirken die fürstlichen Eltern zu Lippert-Weylersheim eher als Parodie, und so präsentierten Károly Rupnik (leicht vertrottelt) und Ildikó Iván (resolut) das Paar auch. Die Verbindung ihres Sohnes Edwin (Dániel Árvai, zunehmend sicherer in Gesang und Darstellung) mit einer „Tingel-Tangel-Chansonette“ wollen sie nicht akzeptieren, bis – sich herausstellt, dass die fürstliche Mama einst im gleichen Milieu tätig war.

Viele Sympathien erwarben sich Graf Boni (Thomas Markus mit etwas zu viel Talent zur Kalauerei, aber sehr ansprechender Stimme) und die reizende Comtesse Stasi (Enikö Lóránt). Edwin, Boni und ihr väterlicher Freund Feri Básci (László Pelsöczy leider mit wenig Stimme) fühlten sich am wohlsten bei den „Mädis vom Chantant“ im „Orpheum“ in Budapest, wo auch Sylva Varescu auftrat. Die „Csárdásfürstin“ liebte Edwin, musste aber drei Akte hindurch mit List und Temperament darum kämpfen, dass er sich ohne Wenn und Aber zu ihr bekennt. Kerstin Grotrian sang und verkörperte diese „moderne“ Frau überzeugend mit großem Einsatz und schöner Stimme.



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