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Kommissar Zufall : Courier-Foto stiftete ein Wiedersehen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Durch einen Bericht über eine Ausstellung wurde Brunhilde Fricke auf eine alte Freundin aufmerksam / Vor 27 Jahren war das letzte Treffen

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Manchmal driften die Leben auch von guten Freundinnen auseinander – ohne böse Absicht. Man verliert sich schlichtweg aus den Augen. Und dann sind es die merkwürdigen Zufälle, die die Menschen wieder zusammenführen. In diesem konkreten Fall sorgte ein im Courier veröffentlichtes Foto für ein Wiedersehen zweier alter Schulfreundinnen nach 27 Jahren – und die Künstlerin Roswitha Rohs und Brunhilde Fricke meldeten sich freudestrahlend beim Courier, um die Geschichte zu erzählen.

„Es war das Foto eines Bildes von Roswithas Ausstellung im Log-In an der Memellandstraße, das der Courier am vergangenen Montag in seinem Veranstaltungskalender ‚Tipps & Termine‘ veröffentlichte. Das war nicht zu übersehen“, erinnert sich Brunhilde Fricke (71). Sie las den Namen der Künstlerin – und dachte: „Das muss sie doch sein!“ Denn sie und Roswitha (71) waren gemeinsam zur Schule gegangen. Sie griff zum Telefon, erkundigte sich, wo das Log-In ist, telefonierte mit der Geschäftsführerin der Wirtschaftsagentur, Iris Meyer. Die rief Roswitha Rohs an: „Hier sitzt eine ehemalige Schulkollegin von Ihnen und wartet.“ Die Wiedersehensfreude war groß. Brunhilde Fricke traute ihren Augen nicht: „Wenn ich sie auf der Straße gesehen hätte, würde ich sie nicht wiedererkennen.“ Denn Roswitha Rohs war damals eher ein Pummelchen.

Dann erinnerten sie sich in einem langen Gespräch an alte Zeiten. „Wir haben damals viel zusammen gemacht. Wir gingen auf die Grundschule Mühlenhof, Lothar Heinz hat uns Plattdeutsch beigebracht“, erinnert sich Roswitha. Brunhilde war aus Pommern vor 61 Jahren nach Neumünster gekommen. Roswitha stammt aus Westpreußen, ihr Vater Hans Glawe arbeitete bei der Reichsbahn, leitete den Bahnhof Neumünster. Die beiden Mädchen gingen nach der Grundschule gemeinsam vier Jahre lang auf die Helene-Lange-Schule. „Ich war glücklich, auf eine reine Mädchen-Schule zu gehen, die Jungs hatten mich vorher immer geärgert“, erzählt Brunhilde, die auch ein altes Klassenfoto dabei hat, auf dem sie sich beide sofort erkennen.

Sie erinnern sich auch an eine schreckliche Situation aus dieser Zeit: „Wir schwammen im Einfelder See. Ich war schon am Ufer, da schaute ich zurück – Brunhilde schrie und war am Ertrinken. Ein Junge sprang ins Wasser, hielt sie hoch, dann wurde sie von einem Mann gerettet“, erinnert sich Roswitha.

Auch nach der Schulzeit hielten sie Kontakt, verkrafteten familiäre Schicksalsschläge. Brunhilde heiratete, bekam Kinder. Roswitha arbeitete bei Howaldt & Söhne, wurde von ihrer Chefin gefördert, kam mit viel Kunst und Kultur in Kontakt, heiratete ebenfalls. Als Brunhilde 1986 geschieden war, lernte sie ihren Lebensgefährten kennen – und zog für 22 Jahre nach Remscheid. Dann 2011 die Trennung – und sie zog wieder nach Neumünster. Doch in diesen vier Jahren hatte sie Roswitha seitdem nie getroffen – das Courier-Foto gab den entscheidenden Hinweis. Jetzt wollen sie sich nicht wieder aus den Augen verlieren: „Wir werden uns demnächst nochmal zum Kaffeetrinken treffen und das erstmal sacken lassen. Sich nach so langer Zeit zu sehen – das ist schon ein komisches Gefühl“, sagen sie.

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