Neumünster : Container als Müllkippe missbraucht: Anwohner werden von Müllsündern bedroht

Eberhard Fischer zeigt, wo sich oft der Müll häuft. Gestern war er bereits abgefahren worden.
Eberhard Fischer zeigt, wo sich oft der Müll häuft. Inzwischen ist dieser bereits abgefahren worden.

Bewohner erhalten Morddrohungen und Reifen werden zerstochen. Die Polizei will jetzt härter durchgreifen.

shz.de von
23. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Die Situation spitzt sich immer weiter zu. An der Paul-Böhm-Straße und der Störstraße haben die Anwohner mittlerweile regelrecht Angst vor Nachbarn, die laufend große Mengen Müll an den dortigen Glas- und Papiercontainer entsorgen. Einige Betroffene berichteten während der Stadtteilbeiratssitzung Brachenfeld-Ruthenberg am Mittwochabend im Haus Berlin von zerstochenen Reifen und Morddrohungen, nachdem sie die offenbar aus Südosteuropa stammenden Umweltsünder angesprochen hatten. Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst wollen nun hart durchgreifen.

Seit zwei Jahren habe sich die Mieterstruktur in den Wohnblocks verändert, berichtete ein Anwohner, der lieber nicht öffentlich genannt werden möchte. Seitdem verschlimmere sich die Situation. „Ich räume schon selbst auf, denn ich schäme mich sonst, wenn ich Besuch bekomme“, sagte er vor rund 80 Zuhörern und zeigte Fotos, auf denen die Container vor lauter Müll schon gar nicht mehr zu sehen waren. „Und das sieht fast täglich so aus. Kaum ist einmal aufgeräumt, kommt schon der erste wieder und lädt seine Sachen da ab.“

Eine Frau berichtete, sie habe einen Mann angesprochen, der dort Müll ablud. „Der hat dann gedroht, gesagt, ich solle den Mund halten, er wisse wo ich wohne.“ Weitere Betroffene erklärten, sie wollten dort nicht mehr wohnen.

Beim Technischen Betriebszentrum (TBZ) und beim Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) ist die Situation bekannt. „Wir sind dort mindestens einmal in der Woche, um aufzuräumen“, sagt TBZ-Chef Ingo Kühl. Dabei schauten die Mitarbeiter, ob sie Hinweise auf die Verursacher finden. „Das ist aber schwierig.“

CDU-Fraktionschef und Beiratsmitglied Gerd Kühl schlug vor, Zettel in südosteuropäischen Sprachen zu verteilen, um die Bewohner auf die in Deutschland geltenden Vorschriften hinzuweisen. „Die kommen aus einem anderen Kulturkreis, da kippt man vielleicht den Müll einfach auf die Straße“, pflichtete ihm Stadtteilvorsteher Uwe Holtz (SPD) bei.

Dass Infozettel helfen, bezweifelt KOD-Teamleiter Michael Wolf. Er nennt die Paul-Böhm-Straße eine „Dauerbaustelle“. „Es ist schwer, da jemanden zu greifen. Wenn ein Umweltsünder angezeigt wird, ist der schnell weg“, sagt er.

Nun aber soll Schluss sein mit dem Ärgernis. Wolf kündigt gegenüber dem sh:z an, „dauerhaft dazwischen zu gehen“. Das Thema werde er mit der Polizei und weiteren Behörden nun konsequent verfolgen.

Polizeisprecher Sönke Hinrichs bestätigt einen Vorfall: Ein Anwohner aus der Paul-Böhm-Straße habe am späten Nachmittag des 9. Februar einen anderen Anwohner dabei getroffen, als dieser Kartons abladen wollte. Im Verlauf eines sich anschließenden Streits sei der erste bespuckt worden. Am Tage darauf habe er dann festgestellt, dass die Reifen seines Autos zerstochen waren. Die Polizei ermittelt.

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