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Holsteinischer Courier

18. Dezember 2017 | 06:48 Uhr

Jugendverband : Computersucht als Bühnenstück

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

600 Schüler machten sich Gedanken über den Medienkonsum.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | „Wie wehrst du dich gegen Stress im Netz? Wo sind deine Grenzen?“ Konkrete Fragen ans Publikum gehören zum Konzept von „Theaterspiel“. Am Donnerstagabend war das mobile Theater aus Witten (Nordrhein-Westfalen) zu Gast beim Jugendverband (JVN), um sich mit einer Generalprobe auf seinen Auftritt in der Freiherr-vom Stein-Schule vorzubereiten. Heute sahen dort insgesamt 600 Schüler und Lehrer in drei Aufführungen den Einakter „Philotes – Spiel um Freundschaft“. Das Stück zeigt Chancen und Konflikte rund um das Thema Medienkonsum, verweist auf Probleme digitaler Spielsucht, offenbart Ängste und setzt sich mit dem Wert von Freundschaft auseinander.

Das alles klingt nach schwerer Kost. Nicht jedoch, wenn es von Beate Albrecht (Anne), Carolin Pommert (Lara), Kevin Herbertz (Benny) und Alexander Weikmann (Tom) dargeboten wird. Den vier professionellen Schauspielern gelang es mühelos, ihre Zuschauer in den Bann zu ziehen. „Wir wollen sensibilisieren und Präventionsarbeit leisten, eine Plattform für Gespräche schaffen und unterhalten“, erklärte Beate Albrecht den Ansatz „ihrer“ Theatergruppe. Und da sich die Wittener mit ihren selbstgeschriebenen Produktionen schwerpunktmäßig an Jugendliche wenden, sind Themen und Sprache entsprechend angelegt.

Im Stück „Philotes“ zockt der Schüler Benny das gleichnamige Cyberspiel – am liebsten sechs Stunden täglich. Tom ist Bennys bester Freund. Er spielt lieber Tischtennis und lädt gern mal ungefragt Fotos anderer Leute hoch. Lara ist neu in der Stadt. Doch anstatt zu erzählen, warum sie mal wieder umgezogen ist, flüchtet sie in die Welt selbstgedrehter Filme. Anne ist Bennys Mutter und ziemlich beunruhigt, dass sie weder ihren Sohn noch dessen Computer so wirklich versteht. Thylox ist Bennys Avatar und weiß viel mehr über Benny, als es diesem lieb wäre.

Die einfache Geschichte beeindruckt mit offenen Fragen, spitzt sich zu und endet mit Toms Rat, Benny müsse endlich lernen, in der richtigen Welt zu punkten. „Hey Leute, wer glaubt, dass Tom Recht hat?“, wandte sich Benny alias Kevin Herbertz ans Publikum und gab den Start für eine rege Diskussion. „Bei den 50-Jährigen fehlt das Grundverständnis für Computerspiele. Ein Austausch mit unserer Generation ist schwierig“. „Das Medienthema beherrscht die Familien“. „Eltern sollten sich dem Thema unvoreingenommen nähern“. „Selbstreflexion ist wichtig, eine Zeitschaltuhr nützt gar nichts“, hieß es von Seiten der jungen Zuschauer.

Andreas Leimbach sprach die Suchtpotenziale von Computerspielen an. „Sucht hat immer mit Kontrollverlust zu tun. Wenn jemanden täglich mehrere Stunden im Netz verbringt, muss das noch keine Sucht sein. Wenn derjenige seine Pflichten und sein soziales Umfeld nicht mehr wahrnimmt, sollten Eltern aufmerksam werden. Kein Kind kann sich selbst kontrollieren“, sagte Neumünsters Jugendschutzbeauftragter.

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