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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 11:03 Uhr

Lesung : „Chapeau Papa!“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Michael Müller las aus dem Buch „Als unser Leben Kleinholz war“ seines Vaters. 80 Besucher kamen.

Neumünster | Die Entstehungsgeschichte gleicht einem spannenden Krimi, das Ergebnis ist eines der schönsten Bücher über Neumünster. Die Rede ist von: „Als unser Leben Kleinholz war“, einer Dokumentation des Autoren Helmut Müller und des Fotografen Walter Erben über Neumünster in den Nachkriegsjahren. Michael Müller, Sohn des Autors, las in der Papierfabrik aus dem Buch.

1987 in einer Erstauflage von 4000 Stück erschienen, war das Buch bereits 1992 vergriffen und nur noch antiquarisch zu Höchstpreisen von bis zu 80 Euro erhältlich. Im November vergangenen Jahres legte Carsten Rathje das Buch neu auf. Am Freitagabend las Michael Müller auf Einladung der Buchhandlung Lübbert aus dem Werk seines Vaters. Monika Krebs erläuterte die im Buch dokumentierten Fotos von Walter Erben.

Zur Lesung kamen 80 Besucher – unter ihnen viele jüngere Menschen, aber auch Zeitzeugen wie die 94-jährige Elisabeth Wigger, die den Bomberangriff vom 6. November 1944 nur aufgrund der Weitsicht ihres Vaters überlebt hatte.

Die Besucher sahen sich einem äußerst sympathischen Michael Müller gegenüber, der offen vom Unbehagen erzählte, das ihn vor 28 Jahren beim Lesen des Manuskriptes seines Vaters überkam: „Zu blumig, zu betroffen, zu weitläufig“, so sein Urteil. Müller Junior meinte, es einschätzen zu können. Schließlich hatte er gerade ein Volontariat beim Courier begonnen, und hier lautete das Credo: „Distanz, Sachlichkeit und auf keinen Fall Geschwurgel.“ „Doch für ein Eingreifen war es zu spät“, erzählte Michael Müller. „Das Buch sollte zwei Tage später in den Druck gehen.“

Ähnlich erging er Verleger Carsten Rathje. Seine Idee zu dem Buch war nach einer Ausstellung von Walter-Erben-Fotos in der Dresdner Bank entstanden. Nun suchte er nach einem geeigneten Autoren, der die Bilder knapp kommentieren könnte. In Helmut Müller meinte Rathje den Richtigen gefunden zu haben. „Müller war Zeitzeuge und als Gerichtsreporter hatte er seinen guten Schreibstil bewiesen“, sagte er. Gedacht, getan. Helmut Müller stimmte zu und Ratje war zufrieden. Dann hörte er lange Zeit nichts. Als der Drucktermin näher rückte, mahnte der Verleger die Texte an. „So, wie Du Dir das vorstellst, geht es nicht“, sagte Müller. „ Mit einfachen Bildtexten wird man der Geschichte nicht gerecht.“ Rathje musste warten. Und dann kam es endlich, das 187 Seiten lange Manuskript. „Anfangs war ich erschrocken“, gab Carsten Rathje zu. „Was ich las, war die Geschichte von Klein-Helmut. Das war etwas ganz Anderes, als ich mir vorgestellt hatte. Doch schnell fesselte mich der Text. Ich lag die ganze Nacht wach und las. Ich begriff, dass hier ein authentisches Zeitdokument vor mir lag, dem es gelang, das persönlich Erlebte in die Geschichte einzubinden. Wir haben umdisponiert und Helmut Müllers Texte und die Fotos von Walter Erben als zwei Zeitdokumente nebeneinander gestellt.“

Was Rathje schnell als Schatz erkannte, ist auch Journalist Michael Müller längst klar: „Mein Vater hat einen Ton getroffen, der viele Menschen sehr berührt“, sagte er während der Lesung. „Chapeau, Papa!“


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erstellt am 27.Apr.2015 | 09:00 Uhr

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