Tierhilfe Neumünster gibt auf : Chaos: Niemand kümmert sich um die Fundtiere

Die Tierauffangstelle an der Geerdtsstraße ist seit sieben Monaten geschlossen.
Die Tierauffangstelle an der Geerdtsstraße ist seit sieben Monaten geschlossen.

Die Tierhilfe unterstützt die Stadt nicht mehr. Kritik kommt von der Feuerwehr.

shz.de von
02. März 2017, 06:00 Uhr

Neumünster | Die Tierhilfe möchte helfen, aber kann nicht mehr; die Berufsfeuerwehr soll helfen, aber will nicht – und das Tierheim Kiel würde mehr helfen, aber darf nicht. Bei der Stadt herrscht Chaos bezüglich der Unterbringung von Fundtieren. Der Grund: Der Verein Tierhilfe hat seine Hilfe kurzfristig eingestellt. Er hat seit der von der Stadt verhängten Schließung der Tierauffangstelle vor sieben Monaten ehrenamtlich die Fundtiere aufgenommen, bis sie ins Tierheim Kiel kamen. Sie sei müde und überlastet, hatte die Vorsitzende Susanne Eckmann mitgeteilt. Doch wer ist jetzt zuständig?

„Von 8 Uhr bis 16 Uhr sollten Bürger sich unter Tel. 04321/942-0 bei der Stadt melden. Außerhalb dieser Zeiten wird darum gebeten, im Notfall die Feuerwehr unter der Rufnummer 3322-0 anzurufen“, teilte Stadtsprecher Stephan Beitz Donnerstagnachmittag nach einer Krisensitzung mit. Noch am Vormittag hatte Rainer Scheele, stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr, sich dagegen gewehrt, Fundtiere rund um die Uhr einzusammeln, wie es zunächst vorgesehen war. „Das können wir als Feuerwehr gar nicht leisten“, sagte er zum Courier. Fundtiere werden nun zunächst übergangsweise in einen blauen, verschlossenen Container an der Färberstraße in der Nachbarschaft zur Feuer- und Rettungswache gesperrt. Dort sollen Mitarbeiter des Kieler Tierheims sie dann abholen.

Erste „Opfer“ des Wirrwarrs waren am Donnerstag Christina Pfeiffer (63) und Tierarzt Dr. Ulf Böhme. „Mir ist am Vormittag ein etwas verwahrloster Hund ohne Halsband von der Gerichtsstraße bis nach Hause gefolgt. Bei der Polizei verwies man mich an die Feuerwehr. Die wollte den kleinen Malteser aber auch nicht haben. Und bei der Stadt war die ganze Zeit niemand zu erreichen“, klagte sie. In ihrer Not wandte sie sich an den Tierarzt Böhme, der den kleinen Vierbeiner erstmal aufnahm. „Die Stadt blockt alle Lösungsansätze ab, und niemand fühlt sich zuständig. Dabei ist die Stadt für die ordnungsgemäße Versorgung zuständig“, kritisierte er.

Das bestreitet Stadtsprecher Stephan Beitz auch nicht. Seit der Schließung der Tierauffangstelle führe die Stadtverwaltung intensive Gespräche, um eine dauerhafte Lösung zu realisieren. „Eine Stadt in der Größenordnung Neumünsters mit über 80.000 Einwohnern braucht ein leistungsfähiges Tierheim“, sagte er.

Kiels Tierheim-Leiterin Elisabeth Haase hat Donnerstag ebenfalls am Krisentreffen teilgenommen. „Die Lösung kann nur ein Neubau eines Tierheims sein. Denn die Tierhilfe ist überfordert und zwischen der Stadt und dem Tierschutzverein ist zu viel Porzellan zerschlagen worden. Die korrespondieren ja nur noch über Anwälte. Daher glaube ich nicht, dass die Tierauffangstelle in ihrer bisherigen Form wieder öffnen kann“, sagte sie zum Courier. Doch es sei schwierig, ein geeignetes Grundstück zu finden. Das Kieler Tierheim versuche weiter zu helfen, könne aber ab April keine weiteren Katzen mehr aufnehmen, sagte Elisabeth Haase: „Wir sind für Kiel und zwölf Umlandgemeinden zuständig. Und die Saison der ausgesetzten Katzen beginnt erst noch.“ Daher sei der bestehende Vertrag mit der Stadt für die Katzen nicht verlängert worden. Er läuft Ende des Monats aus. Nur Hunde und Kleintiere könnten noch bis Jahresende aus Neumünster aufgenommen werden.

Die Tierheim-Leiterin zeigte sich offen, zumindest für eine Übergangszeit Personal für den Betrieb einer Neumünsteraner Zweigstelle bereit zu stellen. „Wir könnten das übergangsweise übernehmen und einen neuen Betreiber unterstützen. Letztlich aber gehört der Betrieb eines Tierheims in die Hand eines Vereins“, sagte sie.

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