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Streit ums AJZ : CDU will Kostenexplosion nicht mittragen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt soll nach vertretbaren Alternativen für den Jugendtreff suchen

von
erstellt am 24.Jun.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die von der Stadt angekündigten Kostensteigerungen von einer Million Euro beim Umbau der alten Textilfabrik an der Anscharstraße stoßen in der CDU auf massive Kritik. Thomas Michaelis forderte gestern, sich von den jüngsten Entwürfen wieder zu verabschieden und nach Alternativen zu suchen. Einen entsprechenden Antrag will er für die CDU in der nächsten Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag, 7. Juli, vorlegen.

In der ehemaligen Fabrikhalle an der Anscharstraße 8-10 will die Stadt zum einen dem Jugendtreff „Aktion Jugendzentrum“ (AJZ) eine neue Bleibe bieten, zum anderen mehreren Betrieben und Initiativen aus der Kultur- und Kreativ-Szene Räume zu attraktiven Konditionen anbieten.

2012 hatte die Stadt dafür Umbaukosten von rund 2,1 Millionen Euro veranschlagt. Nach den ursprünglichen Planungen sollte das Jugendzentrum im Erdgeschoss der Halle untergebracht werden und oben die Kreativwerkstätten entstehen. Um die Räume besser aufteilen zu können, wollen sich die Architekten jetzt aber von der horizontalen Aufteilung verabschieden und das Gebäude in einen linken und rechten Flügel unterteilen. Das produziert unter dem Strich allerdings Mehrkosten von rund einer Million Euro.

Das ist deutlich zu viel, wie Michaelis meint: Der CDU-Mann hat nachgerechnet und kommt auf veranschlagte Baukosten von 3239 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche. „Für einen drastisch geringeren Betrag sind funktionale und optisch ansprechende Neubauten in Luxusausführung erstellbar“, kritisiert Michaelis. Die Stadt riskiere bei dem Altbau Gesamtprojektkosten von 3,5 bis 4 Millionen Euro. „Das ist uns deutlich zu teuer“, sagte er.

Ratsfrau Helga Bühse, baupolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, unterstützte gestern die Forderung nach Alternativen, zeigte aber auch Sympathie für die Planänderungen der Architekten. Sie schlägt vor, gegebenenfalls zunächst nur den Gebäudeflügel für das AJZ zu sanieren.

Bühses Gegenpart in der SPD, Ratsfrau Franka Dannheiser, hält die Neukonzeption für die Fabrikhalle dagegen für „in sich schlüssig“. Jugendzentrum und Kulturbetrieb könnten sich besser aus dem Weg gehen, der Nutzwert des Gebäudes steige. Dannheiser verweist darüber hinaus auf die hohe Förderung des Umbaus durch die öffentliche Hand. So sollen 2,78 Millionen Euro aus Treuhandvermögen und Städtebauförderung in den Umbau fließen.

 

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Nur mal so zum Vergleich: Sie beauftragen  einen Architekten, Ihnen  ein schickes Haus zu bauen, und einigen sich auf einen Kostenrahmen von, sagen wir mal, 200000 Euro. Kurz vor dem Baustart kommt der  Architekt mit einer kleinen Änderung auf Sie zu: Er  habe die Räumlichkeiten nochmal neu durchgeplant, das Haus werde jetzt voraussichtlich 300 000 Euro kosten. Mal ehrlich, vermutlich  würden Sie den Architekten in die Wüste schicken!

Okay, bei öffentlichen  Bauvorhaben ist vieles anders, und oft ergibt sich erst in der laufenden Planung, dass mit  wenig Mehrkosten viel Mehrnutzen zu erreichen ist. Für den Umbau der alten Fabrik an der Anscharstraße  zu einem neuen Jugendzentrum ist das nicht zu erkennen.

Nichts dagegen, dass  eine zusätzliche Nutzung des Gebäudes durch Kultur- und Kreativunternehmen die Gesamtkosten drückt, wie ursprünglich angedacht. Jetzt sieht es so aus, als wenn die Neben-Nutzung die Kosten nach oben treibt. So war das nicht gedacht!

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