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Vorstoß im Bauausschuss: : CDU erwägt Abgabe für Plastiktüten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verwaltung soll mit dem Einzelhandel über Wege zur Eindämmung der Wegwerftüten sprechen. Kieler Beschluss als Vorbild.

von
erstellt am 25.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Neumünster | Die EU-Debatte zur Reduzierung der Plastiktüten hat Neumünster erreicht. Auf Initiative der CDU wird sich der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss (BPU) am Donnerstagabend mit dem Thema befassen. In seinem Antrag fordert Thomas Michaelis (CDU) die Verwaltung zu Gesprächen mit dem Einzelhandel auf, um die Ausgabe von Plastiktüten im Handel deutlich zu reduzieren oder gar ganz zu vermeiden. Parallel soll die Verwaltung prüfen, ob es ordnungsrechtliche Möglichkeiten zur Eindämmung der Tütenflut gibt. Dabei wird auch eine kommunale Abgabe auf die Tüten nicht ausgeschlossen.

In der Begründung für seinen Vorstoß verweist Michaelis unter anderem auf das Beispiel Kiel. Dort hat die Ratsversammlung Einzelhandel, Verbraucherberatung, Wochenmärkte und Interessengemeinschaften des Handels zur Einberufung eines rundes Tisches aufgefordert, um die Möglichkeiten „eines freiwilligen und vollkommenen Verzichts auf Plastiktüten und weitgehenden Verzichts auf Plastikverpackungen zu erörtern“, wie es in dem Beschluss heißt. Der „freiwillige Verzicht ist auch aus unserer Sicht ein guter Weg“, unterstreicht Michaelis.

Wie zuvor die Kieler Ratsversammlung stützt sich auch Michaelis bei seiner Initiative auf die Pläne der EU, den Verbrauch von Plastiktüten in den kommenden Jahren deutlich zu senken. Bis 2025 soll der jährliche Verbrauch von Einwegtüten aus Kunststoff auf 40 Beutel gedrückt werden. Derzeit liegt der Durchschnitt bei 198 Beuteln pro EU-Bürger. Die Plastikflut belastet wegen ihrer extremen Langlebigkeit aus Sicht von Experten vor allem die Weltmeere schwer (wir berichteten).

Neumünsters Handel signalisierte gestern durchaus Gesprächsbereitschaft: Man werde sich ökologisch sinnvollen Vorschlägen nicht versperren, sagte Gerd Grümmer, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes. Voraussetzung sei allerdings, dass die Neuregelungen die Waffengleichheit in der Branche wahre, ansonsten habe man „kein Problem damit“, sinnvolle Alternativen zur Plastiktüte anzubieten. Auch ein Spareffekt über den Tüten-Preis sei denkbar, sagte Grümmer und verweist auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Nach den Ölkrisen in den 80er-Jahren sei der Handel dazu übergegangen, die in der Herstellung deutlich verteuerten Einkaufstüten nicht mehr kostenlos abzugeben. Der Verbrauch der Tüten sei daraufhin um ein Vielfaches gesunken, sagte Grümmer.

Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss tagt am kommenden Donnerstag, 27. November, ab 17.30 Uhr im Rathaus: Weitere Themen sind unter anderem der Neubau der Grundschule Einfeld, die Verkehrsberuhigung auf dem Großflecken und der geplante Ausbau der Kreuzung Rendsburger Straße / Sauerbruchstraße / Max-Johannsen-Brücke.

KOMMENTAR

Rezept gegen die Plastikflut

Höchste Zeit, dass etwas passiert: Seit Jahren schon warnen  Experten  vor der zunehmenden Verschmutzung der Weltmeere durch unseren Plastikmüll. Von den Wellen zerschlagen und zerrieben, landet der letztlich über die natürliche Nahrungskette wieder  bei uns auf dem Teller. Wir essen unseren eigenen Müll  und vergiften uns damit schleichend. Diesen unseligen Kreislauf zu durchbrechen, sollte uns ein  ein klein wenig Aufmerksamkeit beim Einkauf wert sein.  Auf immer neue Plastiktüten zu verzichten, ist nicht wirklich ein Qualitätsverlust – kann aber viel bewirken. Andere machen es uns längst vor. In Italien und  der Schweiz sind Einmalplastiktüten längst  verschwunden. In San Francisco wurden sie bereits 2007  vom Stadtrat  verboten.

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