Oberbürgermeister in Neumünster : CDU-Beitritt von Tauras löst Ärger aus

Dr. Olaf Tauras
Dr. Olaf Tauras

Verwaltungschef ist nun bei den Christdemokraten Mitglied, was vor allem seine bisherigen Unterstützer Grüne und FDP verschnupft.

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18. April 2018, 13:52 Uhr

Neumünster | Der bisher parteilose Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hat am Rande einer Sitzung der CDU-Landtagsfraktion im Beisein von Ministerpräsident Daniel Günther seinen Beitritt zu den Christdemokraten erklärt. Bei den anderen Rathausfraktionen löst das Unverständnis und zum Teil heftige Kritik aus.

Der Verwaltungschef sagt zu seiner Entscheidung: „Ich habe mich nach einem langen Abwägungsprozess zu diesem Schritt entschieden, weil ich gemerkt habe, dass ich mein Amt als Oberbürgermeister mit einer parteipolitischen Verankerung noch besser ausüben kann. Es besteht eine große Übereinstimmung meiner politischen Positionen mit den Zielen der Christdemokraten. Deswegen bin ich bei der CDU sehr gut aufgehoben.“ Als bislang parteiloser Oberbürgermeister sei ihm dieser Schritt nicht leicht gefallen, so Tauras weiter, „aber er ist für eine bessere Umsetzung von Strategien und Zielen aus meiner Sicht sinnvoll“. Er bleibe als Oberbürgermeister in erster Linie dem Wohl der Neumünsteraner verpflichtet und nicht den inhaltlichen Standpunkten einer Partei. Es könne also auch in Zukunft einmal „unterschiedliche Meinungen“ geben, so Tauras.

Der CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs zeigt sich erfreut von der Entscheidung: „Seit neun Jahren sind wir als CDU mit Olaf Tauras erfolgreich für Neumünster. Dass er nun auch Mitglied geworden ist, wird auch seiner Arbeit für unsere Stadt zugute kommen“, so Fehrs. Landeschef Daniel Günther erklärte, Olaf Tauras sei ein „starker Oberbürgermeister“ und passe super in die CDU Schleswig-Holstein.

Das sehen andere Rathausfraktionen nicht so. „Mit dieser Entscheidung von Tauras ist die Oberbürgermeisterwahl 2020 wieder völlig offen. Wir werden genau hinsehen, ob er sein Amt auch weiterhin parteipolitisch neutral ausüben wird oder ob er sich nun von der CDU steuern lässt“, erklärt der Grünen-Kreisvorsitzende Heiner Voigt. Der Zeitpunkt des Eintritts kurz vor der Kommunalwahl sei zudem „unglücklich“. Wahlkampf solle sich an Sachthemen orientieren, mahnt Voigt. Noch deutlicher wird Jörn Seib: „Es wird sich an seiner Arbeit nichts ändern. Tauras war von Anfang an stockkonserativ und unsozial“, echauffiert sich der Fraktionschef vom Bündnis für Bürger (BfB).

Bei der FDP stößt Tauras' Entscheidung auf ein geteiltes Echo. Der Kreisvorsitzende Wolfgang Stein äußert Verständnis und erhofft sich positive Auswirkungen auf Neumünsters kommunale Politik. Skeptischer beurteilt der Fraktionsvorsitzende Reinhard Ruge diesen Schritt. „Es erschließt sich mir nicht, welche konkreten Vorteile damit verbunden sein sollen, weder für ihn selbst, noch für Neumünster“, so Ruge. Für die SPD wollte die Kreisvorsitzende Kirsten Eickhoff-Weber die Entscheidung nicht kommentieren.

 

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