ÖPNV in Neumünster : Busfahrer fürchten um ihre Jobs

Mit Handzetteln machten die Busfahrer am Dienstag vor der Ratssitzung auf ihre Sorgen aufmerksam.
Mit Handzetteln machten die Busfahrer am Dienstag vor der Ratssitzung auf ihre Sorgen aufmerksam.

VHH ziehen sich nach 57 Jahren aus Neumünster zurück. Stadt und SWN suchen nach Lösung, die die Arbeitsplätze in Neumünster erhält

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07. November 2013, 12:00 Uhr

Die Busfahrer der VHH haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Nach 57 Jahren wollen sich die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aus Neumünster zurückziehen. Betroffen sind 75 Mitarbeiter am 2006 erst neu gebauten Betriebshof an der Rendsburger Straße. Fast alle wohnen auch in Neumünster.

Freiwillig kommt der Rückzug nicht. Damit die Hansestadt Hamburg den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) weiter direkt ohne Ausschreibung an die VHH vergeben kann, müssen die sich nach EU-Vorgaben auf ihr Kerngebiet beschränken. „Wir dürfen künftig nur noch in Hamburg und direkt angrenzenden Kommunen tätig sein. Neumünster gehört leider nicht dazu“, bestätigte VHH-Sprecher Martin Beckmann die Pläne seines Unternehmens.

Damit endet in Neumünster ein bewährtes Modell: Die Stadt vergab den ÖPNV an die Stadtwerke, diese wiederum beauftragten damit die VHH. „Wir haben dafür gar nicht die Busse, die Fahrer, den Betriebshof, das ganze Wissen“, sagte SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt. Der Vertrag zwischen den Stadtwerken und den VHH läuft eigentlich noch bis Ende 2015. „Wir wollen gemeinsam mit den Stadtwerken ein sauberes Ausstiegsszenario hinkriegen“, erklärte Beckmann. Die Verhandlungen dafür liefen bereits.

Die Busfahrer fürchten, dass die Stadt den ÖPNV öffentlich ausschreiben muss und sie dann ihre Arbeitsplätze verlieren oder zu deutlich schlechteren Tarifbedingungen dastehen. Als „Wunsch und Ziel“ nannte Neumünsters VHH-Betriebsratsvorsitzender Mario Kohberg, „dass die SWN den Busbetrieb selbst machen und die VHH-Beschäftigten übernehmen. Die Kollegen wohnen alle in Neumünster, haben hier ihre Familien und Häuser.“ Die Gewerkschaft Verdi sprach gestern sogar schon von drohendem „Lohndumping“.

Die Frage einer Übernahme von Fahrern, Fuhrpark und Betriebshof stelle sich für die Stadtwerke „zurzeit nicht“, machte SWN-Sprecher Schmidt klar. Die SWN setzen auf eine Übergangsregel, die aber nur noch bis zum 31. Dezember greift. Dafür müsste die Stadt den laufenden Vertrag aufheben und die Stadtwerke erneut für die kommenden zehn Jahre direkt mit dem ÖPNV betrauen. Darüber soll die Ratsversammlung am 26. November abstimmen. Die Stadtwerke wollen dann nach dem alten Modell weiter machen, freilich mit einem neuen Partner.

„Wir als Stadt sind bestrebt, eine vergaberechtlich saubere Lösung zu finden“, sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras zum Courier. Die müsse drei Dinge sicherstellen: Die Qualität des öffentlichen Verkehrs müsse auf dem gleichen hohen Niveau bleiben. Die Arbeitsplätze müssten in Neumünster erhalten bleiben, die Busfahrer weiter zu fairen Bedingungen beschäftigt werden. „Unser drittes Interesse ist, dass der Betriebshof in der jetzigen Form erhalten bleibt“, sagte Tauras. SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt nannte als viertes Kriterium die „Seriosität, Bonität und Zuverlässigkeit des Verkehrsunternehmens“.

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