Hartz IV : Burgfrieden mit dem Jobcenter

Linken-Kreischef Jonny Griese (links) und Thorsten Hippe, Leiter des Jobcenters an der Friedrichstraße, haben ihren Streit um die Beratungsqualität der Behörde vorerst beigelegt und eine engere Zusammenarbeit vereinbart.
Linken-Kreischef Jonny Griese (links) und Thorsten Hippe, Leiter des Jobcenters an der Friedrichstraße, haben ihren Streit um die Beratungsqualität der Behörde vorerst beigelegt und eine engere Zusammenarbeit vereinbart.

Behörde und Linke wollen sich künftig stärker austauschen. Amtschef kündigt Erleichterungen für wartende Besucher an

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02. November 2013, 06:00 Uhr

Die Linkspartei und das Jobcenter an der Friedrichstraße haben ihren öffentlich ausgetragenen Streit um die Qualität der Betreuung durch die Behörde vorläufig beigelegt.

Linken-Kreischef Jonny Griese nahm gestern seinen Vorwurf zurück, die Kundschaft der Behörde werde menschenunwürdig abgefertigt. „Wir halten Hartz IV für menschenunwürdig“, sagte Griese. Die Kritik richte sich aber „gegen das Gesetz, nicht gegen die Mitarbeiter an der Friedrichstraße“, unterstrich Griese. Im Gegenzug bot Behördenchef Thorsten Hippe gestern in einem gemeinsamen Pressegespräch regelmäßige Gespräche über Verbesserungsvorschläge in der Kundenbetreuung oder auch einzelne Problemfälle an. Er stellte allerdings auch klar, dass man das Gesetz nicht beugen könne und werde. Hippe: „Wir sind hier nur die Exekutive“.

Die Linkspartei hatte Besucher des Jobcenters Ende August vor der Behördentür zu einer Bewertung der Beratung aufgefordert, um eigene als „zu rosig“ empfundene Umfragewerte der Behörde zu konterkarieren. Knapp 70 Besucher hatten der Behörde dabei überwiegend schlechte Noten ausgestellt.

Das Jobcenter verweist im Gegenzug auf regelmäßige Telefonumfragen durch einen unabhängigen Dienstleister. Danach wird die Behörde und deren Beratungsqualität mit gut bewertet. Für Unmut innerhalb der Behörde hatte vor allem ein von den Linken vor dem Eingang aufgestelltes Transparent gesorgt. Aufschrift: „Sie verlassen nach wenigen Metern den Boden des Grundgesetzes.“ Behördenchef Thorsten Hippe hatte sich dagegen verwahrt, die Linken aber gleichzeitig zum Gespräch eingeladen: „Wir sind offen für konstruktive Kritik.“

Inzwischen haben erste Kontakte offenbar schon Früchte getragen. So wurde die von den Linken kritisierte „Unisextoilette“ für Besucher inzwischen durch getrennte WC-Räume für Männer und Frauen ersetzt. Noch im November will die Behörde für ihre Klienten einen Still- und Wickelbereich einrichten, um junge Mütter mit Kleinkindern während der Wartezeit nicht in Bedrängnis zu bringen. Darüberhinaus will man jetzt über eine Kinderbetreuung nachdenken, kündigte Hippe an.

Im Jobcenter Neumünster werden derzeit rund 5600 Bedarfsgemeinschaften mit knapp 11 000 Menschen betreut.

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