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FEK in Neumünster : Bundesweit einzigartig: Flüchtlinge verarzten Flüchtlinge

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Das gibt es bisher noch nirgendwo anders: Flüchtlinge behandeln Flüchtlinge in einem deutschen Krankenhaus.

Neumünster | Zur medizinischen Versorgung von Flüchtlingen ist am Freitagnachmittag in Neumünster ein nach Angaben der Betreiber „bundesweit einzigartiges Projekt“ gestartet: Am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) arbeitet ein Team aus Ärzten und Pflegern zusammengestellt worden, dem sowohl deutsche Kräfte als auch Flüchtlinge mit geeigneter Qualifikation angehören.

Das FEK wird sehr häufig von den Flüchtlingen aufgesucht. Die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung des Landes liegt in direkter Nachbarschaft. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kommen deren Bewohner mit Symptomen vom Wehwehchen bis zu lebensbedrohlichen Krankheiten. Dadurch verlängerten sich die Wartezeiten für alle anderen Patienten. Die Behandlung eines Flüchtlings dauert laut Chefarzt Dr. Ivo Marcus Heer drei- bis fünfmal länger als die eines deutschsprachigen Patienten.

Ivo Markus Heer sagte, er habe in Berlin mit Fachleuten aus anderen Bundesländern und Vertretern von Bundeseinrichtungen gesprochen, denen eine solche von Flüchtlingen mitbetriebene Krankenhaus-Ambulanz aus anderen Bundesländern auch nicht bekannt sei.

„Wir schneiden kein Band durch, und es gibt auch keine Feier, wir beginnen einfach mit der Arbeit“, sagte Krankenhaus-Pressesprecherin Maren von Dollen am Freitag kurz vor der Eröffnung. Zunächst könne die Ambulanz nur an den Wochenenden von 15.30 bis 23.00 Uhr betrieben werden. Geplant sei aber eine medizinische Betreuung von Flüchtlingen rund um die Uhr. Über Details will das Krankenhaus am Montag auf einer Pressekonferenz informieren.

Das Friedrich-Ebert-Krankenhaus liegt nahe der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Schleswig-Holstein für Flüchtlinge. Die Einrichtung hat offiziell Platz für 2000 Menschen, tatsächlich sind zurzeit dort etwa 5500 Flüchtlinge untergebracht.

Der ärztliche Dienst ist an Werktagen tagsüber besetzt, an Wochenenden gar nicht. Eine medizinische Betreuung rund um die Uhr ist nach Angaben des zuständigen Landesamtes notwendig, jedoch zurzeit logistisch nicht machbar. Auch Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt bei Neumünster sollen medizinische Hilfe im Friedrich-Ebert-Krankenhaus erhalten.

„Unser doppeltes Ziel ist es, einerseits geflohenen Menschen eine Chance zur beruflichen Integration zu bieten und zugleich eine integrierende medizinische Versorgung von Flüchtlingen in unserem Krankenhaus zu ermöglichen“, hatte Heer bereits Ende August bei der Planung des Projekts erklärt.

Das Innenministerium in Kiel übernimmt laut Heer die Anlaufkosten für das „Konzept zur integrierenden Versorgung - aus der Not eine Tugend machen“. Die medizinische Behandlung von Flüchtlingen wird von den Krankenkassen bezahlt, die wiederum vom Staat das Geld zurückerhalten.

Aufgabe des neuen Teams sollten Übersetzungsdienste, ambulante Behandlungen, die Vorbereitung stationärer Behandlungen sowie die Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten sein.

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erstellt am 16.Okt.2015 | 15:51 Uhr

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