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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 05:36 Uhr

Auszeichnung : Bundespreis für Flüchtlingsfilm

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Projekt „Kofferpacken – Tschamedan“ von Holstenschülern und Flüchtlingen erhält „Mixed-Up“-Preis / Es entstanden ein Theaterstück, Comics und Selbstporträts

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Neumünster | Eine besondere Auszeichnung erhält jetzt ein Film, den Holstenschüler mit jungen Flüchtlingen gedreht haben: „Kofferpacken – Tschamedan“ heißt der 30 Minuten lange Dokumentarstreifen, der einer von sieben Preisträgern des 10. „Mixed-Up“-Wettbewerbs der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und des Bundes-Jugendministeriums ist. Lehrerin Quinka Stoehr wird mit zwei Schülern und mehreren Flüchtlingen am Freitag, 5. September, den Preis in Berlin von Bundesjugendministerin Manuela Schwesig entgegennehmen.

Der Film setzte sich gegen 383 Bewerbungen bundesweit durch. Alle Preise sind mit 2500 Euro dotiert. „Wir sind schon ziemlich stolz, es hat uns gefreut, dass die Arbeit und die Gedanken, die wir uns gemacht haben, auf Begeisterung gestoßen sind“, sagt Jan Plambeck (19). Er ist einer von 29 Schülern der Klasse 11 d, die 2013 eine Woche lang 18 Flüchtlingen aus aller Herren Länder ohne gesicherten Aufenthaltsstatus begegneten, mit ihnen gemeinsam einen Film drehten, ein Theaterstück erarbeiteten, Selbstporträts machten und 30 Koffer gestalteten. Der Koffer als Symbol der Flucht: Was packt man ein, wenn man die Heimat verlässt? „Tschamedan“ heißt Kofferpacken auf Dari, eine Sprache, die in Afghanistan, Pakistan und im Iran gesprochen wird – und auch vom Holstenschüler Daniaal Dar (19), einem Deutschen mit pakistanischen Wurzeln. Er dolmetschte.

Vor allem aber taten die Schüler eines: Die „andere Seite“ kennenlernen, in Gesprächen erfragen, warum die Flüchtlinge kamen, wie es ihnen geht und mit welchen Ängsten und Problemen sie zu kämpfen haben. Vermittelt wurden die jungen Flüchtlinge über die Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten (ZBBS); weitere Kooperationspartner der Holstenschule sind die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge, die Kieler Muthesius Kunsthochschule und diverse Künstler wie Uwe Hennig aus Berlin. Die Theaterpädagoginnen Idun Hübner (ZBBS) und Ulrike Krogmann (Kaleidoskop-Theater Hamburg) leiteten die Theatergruppe; Filmemacher Fredo Wulf (Dozent Muthesiusschule) half den Jungfilmern.

Entstanden ist ein einfühlsamer Film, der den Annäherungsprozess beider Seiten zeigt. Anfängliche Vorurteile werden im Einstieg deutlich: „Wir dachten, dass sie unfreundlich sind. Oder dass sie wegen des Geldes kommen“, sagen Schüler. Der Film erzählt persönliche Geschichten: „Mitten in der Nacht begann die Flucht“, erzählt Ali (17).

In einer anderen Sequenz beantragt Schülerin Natascha Keller (19) einen Asylantrag, geht mit einem Koffer in die Zentrale Aufnahmestelle am Haart. Als sie im Koffer auf einem Tisch in einem nackten Raum sitzt, fühlt sie der Entwurzelung und der ungewissen Zukunft der Flüchtlinge nach. „Es war erstaunlich, wie offen und herzlich sie auf uns zugegangen sind und wie sie über ihre Schicksale erzählt haben. Die Vorurteile haben sich komplett gedreht. Am Ende gab es keine zwei Gruppen mehr“, sagen Natascha, Jan und Daniaal. Die Schüler haben über die Preisverleihung hinaus einen Wunsch: „Wir haben durch dieses Projekt erkannt, wie oberflächlich man denkt. Unser Appell ist, der Thematik generell mehr Gewicht zu geben.“ An ihrer Schule ist das so: Quinka Stoehr wird das Projekt fortsetzen. „Gemeinsame Kunst bewirkt etwas in den Köpfen und eröffnet neue Welten“, sagt sie.

Im Internet: www.mixed-up-wettbewerb.de/index.php?id=1255.

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