Boostedt : Bund will die Kaserne zurück

Im Eingangsbereich zum ehemaligen Kasernengelände wird auf die Landesunterkunft verwiesen. Möglicherweise zieht hier auch wieder die Bundeswehr ein.
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Im Eingangsbereich zum ehemaligen Kasernengelände wird auf die Landesunterkunft verwiesen. Möglicherweise zieht hier auch wieder die Bundeswehr ein.

Bürgermeister Hartmut König ist wütend: Seit drei Jahren wird an der Konversion gearbeitet, jetzt blockiert der Bund alles.

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25. Januar 2018, 07:30 Uhr

Boostedt | Wieder alles auf Anfang in der Boostedter Rantzau-Kaserne? Sie soll eine der wenigen Kasernen sein, die die Bundeswehr nach dem Abzug wieder nutzen möchte. Das gefährdet die bereits weit gediehenen Konversionspläne der Gemeinde.

„Ich schäume schon ganz schön“, sagte Bürgermeister Hartmut König (CDU) gestern dem Courier. Die Bundeswehr sei immer willkommen, aber die Gemeinde habe über drei Jahre Arbeit und viel Geld in die Vermarktung des Bundeswehrgeländes gesteckt. Mit Blick auf Bund und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sagt König: „Wir werden wie Dorftrottel behandelt.“ Gestern Abend hatte er ein Krisengespräch, um die Fraktionsspitzen der Gemeinde über den neuesten Stand zu informieren.

Dass die Bima für das Gebäude N 1 Bedarf angemeldet hat, war bereits im November bekannt geworden (der Courier berichtete). In dieses Haus sollte aber die Boostedter Feuerwehr einziehen, der Entwurf für den Kaufvertrag liegt bereits vor. Nach dem fraktionsübergreifenden Protest gegen diese Pläne hatte der Bürgermeister kurz vor Weihnachten zwei Gespräche mit Vertretern von Land, Bundeswehr und Politik. Daraus nahm König mit: Es gebe eine Anweisung, die Kaserne in Boostedt nicht zu verkaufen. Es müsse erst die Regierungsbildung in Berlin abgewartet werden. Boostedt könne eine der wenigen Kasernen sein, die reaktiviert werden.

Nach Angaben der Bundeswehr könnte die Geländebetreuung in Boostedt einziehen. „Vor diesem Hintergrund wurde ein Erkundungsauftrag durch die Bundeswehr an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gerichtet. Die Bima zieht im Rahmen der Variantenuntersuchung auch eine Unterbringung im Gebäude N 1 der ehemaligen Rantzau-Kaserne in Betracht. Eine Entscheidung seitens der Bundeswehr ist noch nicht getroffen“, erklärte gestern eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.

„Wir haben Investoren, die Boostedter Kita und die Feuerwehr haben Raumnot. Wir haben Lösungen, und jetzt hängen wir mit allem in der Luft“, klagt Hartmut König.

Mit der Konversion in Boostedt beauftragt ist Hartmut Röder, Geschäftsführer der GKU-Standortentwicklung. Er erklärte, dass der Bund Standorte überprüfe, die noch in der Hand der Bundeswehr seien. Auch er gibt zu: „Ich mache seit 25 Jahren Konversion. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ In Boostedt sei man weit mit den Verhandlungen. Mit dem A-5-Gebäude für die Kita sei ein Durchbruch erzielt worden, ins Haus A 1 sollte die Feuerwehr ziehen, und mit der Tietje-Gruppe aus Itzehoe habe man auch einen Investor.

Wie berichtet plant Gustav Tietje einen Deutsch-Chinesischen Campus. Rund 300 Arbeitsplätze könnten entstehen. Die Geschäftsführung der Tietje-Gruppe war gestern nicht zu erreichen, aber Hartmut Röder bestätigte, dass der Investor nach wie vor an Boostedt interessiert sei.

Es wurden auch Vorschläge gemacht, Bundeswehr, Gemeinde und Investoren unter einen Hut zu bekommen. Nach der Einschätzung von Hartmut Röder ist das möglich, und er mahnt: „Bis März muss das geklärt sein!“ Auf jeden Fall dürfe man die Hände jetzt nicht in den Schoß legen, sondern müsse den Verfahrensstand weiterentwickeln. „Wenn die Gemeinde zusammensteht, kann man das schaffen“, sagt Hartmut Röder.

Kommentar von Susanne Otto

Platz für alle

Boostedt muss ganz schön was stemmen! Nach 57   Jahren verliert der Ort die Bundeswehr  (bis auf das Munitionslager),  nimmt  in Spitzenzeiten 2000  Flüchtlinge  auf, und bei der Vermarktung des ehemaligen Kasernengeländes   wird mit der Gemeinde jetzt in unzumutbarer Weise umgesprungen. Land, Bund und das Oberzentrum Neumünster  werfen den Boostedtern immer wieder  Knüppel zwischen die Beine.  Bleibt zu hoffen, dass die Konversion in Boostedt nicht als Wahlkampfthema ausgenutzt wird und alle gegeneinander aufwiegelt. Jetzt sollten die Kommunalpolitiker geschlossen  für ihr Boostedt und eine positive Ortsentwicklung eintreten und geschickt verhandeln.  Kommune, Land und Bund  im unbürokratischen Miteinander: Möglicherweise hat das Gelände der ehemaligen Rantzau-Kaserne ja Platz für Flüchtlinge, Gemeindeeinrichtungen, Investoren und Bundeswehr.


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