Böcklersiedlung : Bund bremst die Kleingärtner aus

Ein verwildertes Grundstück in der Gartenkolonie West: 95 von 374 Parzellen stehen hier leer. Die Kleingärtner haben viele Pläne, um die Attraktivität zu steigern. Doch der Bund als Eigentümer zeigt offenbar wenig Interesse.
Ein verwildertes Grundstück in der Gartenkolonie West: 95 von 374 Parzellen stehen hier leer. Die Kleingärtner haben viele Pläne, um die Attraktivität zu steigern. Doch der Bund als Eigentümer zeigt offenbar wenig Interesse.

In den Gartenkolonien West und Frühlingslust möchten die Aktiven gegen Leerstände vorgehen, doch der Bund als Eigentümer sperrt sich.

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23. März 2017, 08:30 Uhr

Neumünster | Das Kleingartenentwicklungskonzept, das die Stadt gemeinsam mit den Kleingärtnern in den vergangenen Monaten unter anderem in mehreren Workshops erarbeitet hat, ist so gut wie fertig. Im Sommer soll es dem Rat vorgelegt werden. Am Dienstagabend gab Maximilian Müller von der Stadtplanung auf Bitte des Stadtteilbeirats Böcklersiedlung-Bugenhagen eine erste Vorabinformation auf dessen Sitzung in der Mensa der Hans-Böckler-Schule.

In den beiden Gartenkolonien der Böcklersiedlung, West und Frühlingslust, die in unmittelbarer Nachbarschaft am Baumschulenweg liegen, plagen die Kleingärtner dieselben Sorgen wie in den anderen Anlagen der Stadt: Immer mehr Parzellen bleiben leer und verwahrlosen. 2150 Gartenparzellen gibt es insgesamt in der Stadt, jede vierte steht leer. In West sind 95 von 374 Gärten ungenutzt. In der deutlich kleineren Frühlingslust ist die Belegung mit 7 Leerständen von 81 Parzellen noch besser. Gründe für die fehlende Nutzung stadtweit sind der hohe Anteil der Häuser mit Gärten in der Stadt sowie der demografische Wandel.

Die Leerstände kosten den Kreisverein der Kleingärtner jedoch immer mehr Geld. Denn der Verein reicht die Pacht für die Gesamtfläche weiter an den Eigentümer. Das ist fast überall die Stadt, nicht aber in der Böcklersiedlung: Die Kolonien West und zum größten Teil auch Frühlingslust befinden sich auf dem alten Flugplatzgelände, und das gehört dem Bund und wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verwaltet. Damit haben die Kleingärtner der Böcklersiedlung einen deutlich problematischeren Verhandlungspartner für all ihre Ideen, die ihr Areal attraktiver zu machen sollen. Denn an guten Ansätzen mangelt es bei dem neuen stadtweiten Konzept nicht.

Auch in der Böcklersiedlung würden die Kleingärtner gern einige dieser Pläne umsetzen. So könnten auf freien Flächen in der Kolonie West zum Beispiel eine Streuobstwiese, dezentrale kostenpflichtige Parkplätze, Grünschnittsammelplätze oder eine Ballspielfläche entstehen. Außerdem könnten eine zweite Zufahrt vom Kleingartenweg sowie ein Wanderweg diagonal vom Rübezahlweg zur Gemeinschaftshalle für mehr Öffentlichkeit sorgen. In der Kolonie Frühlingslust gibt es bereits einen Grünschnittplatz. Eine Ballspielfläche ist gewünscht.

Doch all diese Pläne könnten an der Bima scheitern, denn die zeigt nach Aussage des Stadtteilbeiratsvorsitzenden Rolf Schaks im Gegensatz zur Stadt offenbar kein Entgegenkommen. Die zugunsten der Attraktivität umstrukturierten Flächen müssten nämlich aus der Pacht herausgenommen werden, um den Kleingärtnern den finanziellen Druck zu nehmen. Darauf will sich die Bima nicht einlassen.

Hansheinrich Gräfe, Vorsitzender des Kreisvereins der Kleingärtner, hatte bereits früh versucht, die Bima für die Neuerungen in der Böcklersiedlung mit ins Boot zu bekommen. Doch ohne Erfolg. Es gibt zurzeit keine Unterstützung. Der einzige Ausweg wäre laut Schaks und Gräfe, wenn die Stadt das Areal von der Bima kaufen könnte. „Sonst wären irgendwann alle anderen Kleingartenkolonien attraktiver als die beiden in der Böcklersiedlung“, gibt Hansheinrich Gräfe zu bedenken. Denn das Gesamtkonzept hält er für ideal: „Damit könnten alle Kleingärten viel Öffentlichkeit bekommen und attraktiv werden wie Parkanlagen.“

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