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Windkraft : „Bürgerwille wird nicht berücksichtigt“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Besonders in Ehndorf, Arpsdorf, Padenstedt und Wasbek ist die Enttäuschung über die neuen Windenergie-Pläne des Landes groß.

von
erstellt am 07.Dez.2016 | 17:00 Uhr

Wasbek | Gestern hat das Land Schleswig-Holstein seine Pläne für den Ausbau der Windenergie vorgestellt. Betroffen davon ist das Umland von Neumünster (siehe Karte rechts). Von Enttäuschung bis Erleichterung reichten die Reaktionen in den Gemeinden.

Die neuen Pläne sorgten durchaus für Überraschungen. So hat Tasdorfs Bürgermeister Hans-Heinrich Sievers nicht mit einer Flächenausweisung zwischen Tasdorf und Großharrie gerechnet. Allerdings müsse man in aller Ruhe prüfen, was nach Abwägung aller Kriterien von den Flächen tatsächlich für den möglichen Bau von Anlagen übrigbleibe, meinte Sievers. Auch Großharries Bürgermeister Holger Nohrden bleibt gelassen. „Wir werden uns in aller Ruhe mit den neuen Flächenausweisungen befassen“, meinte Nohrden. Unaufgeregt betrachtete auch Windenergiebetreiber Harry von Bülow aus Alt-Bokhorst die Pläne. Acht Anlagen drehen sich vor der Tür des alten Gutshofes. Im westlichen Teil des Alt-Bokhorster Gebiets könnten theoretisch noch neue Anlagen entstehen. Allerdings ist der Großvogelschutz als Einschränkung in der Stellungsnahme erwähnt.

In Bönebüttel ist im Bereich nördlich Husberger Moor an Rendswührener Gebiet grenzend ein Eignungsgebiet ausgewiesen. Ob diese Fläche wirtschaftlich überhaupt geeignet sei, müsse geprüft werden, meinte Bönebüttels Bürgermeister Udo Runow. Eher gute Nachrichten gab es für die Einwohner Griesebötels. Teile der auf Gönnebeker Gebiet ausgewiesenen Eignungsfläche wurden geändert und abgeschnitten. Dadurch haben sich die Abstände zu den Häusern vergrößert.

Der Bürgermeister von Ehndorf, Hauke Göttsch, ist mit der neuen Planung nicht zufrieden. „Ich bin schwer enttäuscht. Der Bürgerwille in Ehndorf wird bei der Planung nicht berücksichtigt. Windreiche Standorte an der Nordsee werden gar nicht berücksichtigt. Warum muss jetzt in der Landesplanung so schnell agiert werden, wenn der Strom noch gar nicht abfließen kann? Die Zeit bis zur Fertigstellung des bundesweiten Stromnetzes sollte für eine ausgewogene Planung der Standorte genutzt werden. Zur Zeit muss der Bürger kräftig zahlen für den ,Wegwerfstrom‘“, erklärte Göttsch.

Kritik hagelte es ebenfalls aus Arpsdorf, Padenstedt und Wasbek. „Die Arpsdorfer haben sich in
einem Bürgerentscheid klar gegen weitere Windräder in ihrer Gemeinde ausgesprochen. Noch mehr Windmühlen würden zu einer Umzingelung des
Dorfes führen und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen“, sagte Jens Krügel, stellvertretender Bürgermeister von Arpsdorf.

Auch Carsten Bein, Bürgermeister von Padenstedt, ist sauer und findet, dass der Bürgerwille nicht ernst genommen wird. „Das Verfahren ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Als Kommune sind wir dem einzelnen Bürger gleichgestellt und damit völlig ausgebremst. Die Aufgabe von Kommunalpolitik, die Interessenvertretung ihrer Bürger, wird mit diesem Verfahren völlig ausgehebelt“, erklärte Bein.

Die Gemeinde Wasbek ist im Westen, nördlich und südlich der Bundesstraße 430 betroffen. „Wir werden uns auf jeden Fall dagegen wehren. Im Vorfeld wurde von der Gemeindevertretung bereits eine Planerin hinzugezogen. Mit dieser werden wir jetzt die harten und weichen Tabukriterien des Beurteilungskatalogs abklopfen. Fest steht für uns aber schon jetzt, dass durch die Nähe zum Dorf aber auch zu den Einzelgehöften die Wohnqualität erheblich gemindert werden würde“, meinte Bürgermeister Karl-Heinz Rohloff. Ihm sei bewusst, dass das Oberverwaltungsgericht den Bürgerentscheid aus dem Jahr 2010 als nicht zulässig erachtet habe. 69 Prozent der Wasbeker hatten sich damals gegen die Ausweisung von Windenenergieflächen ausgesprochen. „Dennoch haben wir kein Verständnis dafür, dass ein solcher Entscheid überhaupt nicht mit in die Bewertung einfließen kann. Damit wird den Bürgern jedes Mitspracherecht entzogen.“

Die betroffenen Gemeinde können reagieren: Das Beteiligungsverfahren beginnt am 27. Dezember und endet am 30. Juni 2017. 


>Infos zu allen Windenergie-Gebieten gibt es unter: https://bolapla-sh.de




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