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Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 17:42 Uhr

Theater : Bühne frei für die Theaterstürmer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Programm 2016/17 bietet für Schüler viele zeitkritische Themen wie Flüchtlinge, Toleranz oder Schuldzuweisung / Kostenlose Begleitseminare

Neumünster | Neumünster   Wie fühlt sich ein Junge, der mit einem Koffer aus seiner Heimat flieht? Was denkt ein Autist? Und wie drückt man Gefühle ohne Worte aus? Diese Erfahrungen können Schüler im kommenden Halbjahr beim Theaterstürmer-Programm machen, das bereits zum vierten Mal Kinder und Jugendliche an die Welt auf den Brettern, die die Welt bedeuten, heranführt. Kulturbüro-Leiterin Johanna Göb und ihre Mitarbeiterin Agnes Trenka stellten gestern das Programm 2016/2017 vor. „Wir haben dieses Mal besonders kritische Themen. Junge Menschen wollen wir für Dinge wie Ausgrenzung, Anders-Sein und Flucht sensibilisieren“, sagt Agnes Trenka.

Schüler ab der fünften Klasse können zu Theaterstürmern werden und sich ausgewählte Stücke anschauen und an kostenlosen Kursen teilnehmen. Das kommt gut an: Seit 2012 haben 2300 Schüler mitgemacht. „Wir gehen aktiv auf die Schulen zu, schicken Newsletter, besuchen Fachschaften und Konferenzen“, sagt Agnes Trenka. Die Schüler werden von Theaterpädagogen intensiv begleitet, das Projekt habe in der Kulturlandschaft eine Vorreiterrolle. Ermöglicht wird es durch die kontinuierliche Partnerschaft der Stadtwerke, die mit einem „mittleren vierstelligen Betrag“ vor allem die Honorare, aber auch den Druck der Programmhefte finanziert und mit einer Zusage für die nächsten drei Jahre eine Kontinuität ermögliche, so Johanna Göb. Die Theaterstürmer seien eine freiwillige Leistung und von den knappen kommunalen Finanzen nicht zu leisten. „Das ist ein bundesweit herausragendes und hochprofessionelles  Projekt, das  im Theater als einem Ort des Dialogs den Austausch über soziale Werte und gesellschaftliches Leben ermöglicht“, sagt Nikolaus Schmidt von den Stadtwerken.

Die Stücke der Saison sind vielfältig. In „Supergute Tage“ (25.1.) geht es um einen autistischen Jungen, der auf eigene Faust ermittelt, wer einen Hund getötet hat. Doch in seinem „Anders-Sein“ stößt er auf Widerstände. „Schüler schlüpfen in die Rolle eines Autisten, können ihr eigenes Toleranzverhalten überprüfen“, sagt Agnes Trenka. „Der Junge mit dem Koffer“ (21.2.)  erzählt die Geschichte eines jungen Flüchtlings; Jugendliche werden mit dem Schicksal Gleichaltriger konfrontiert.  „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns sah“ (14.3.) stellt die Frage nach dem Hinschauen oder Wegsehen – denn neben dem Zoo ist das KZ Buchenwald. Autor Jens Raschke leitet  die Kurse persönlich. Beim Maskentheater der Familie Flöz („Teatro Delusio“, 9.2.) können Schüler ausprobieren, wie man Botschaften nur mit Körpersprache vermittelt.

Im ersten Kursus der Saison beschäftigten sich 24 Schüler der Immanuel-Kant-Schule mit dem Stück „Terror“ von Ferdinand von Schirach.   Lehrer Björn Homann war  überrascht, wie sich die  Schüler einbrachten, ebenso begeisterte ihn die vorbildliche Arbeit der Kulturbüro-Mitarbeiter und des Schauspielers Matisek Brockhaus, der die Schüler anleitete. „Er bringt  viel Erfahrung aus der Branche mit sich“, lobte Homann. Seine Schüler waren ähnlich zufrieden: „Ich hatte eher negative Erwartungen, denn ich war bisher nicht  theaterbegeistert, aber das hat sich nicht bestätigt“, erklärte Diana Hecht (17). 

Karten kosten 5 Euro, es gibt sie im Kulturbüro, Kleinflecken 26, oder unter Tel. 9423316.

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erstellt am 13.Dez.2016 | 12:45 Uhr

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