Neumünster: Aktion Adventslicht : Bryan freut sich auf seinen ersten Job

Ihr Schicksal interessiert viele Courier-Leser: Steven Schamborzki (21, rechts) kümmert sich seit dem Tod der Mutter um seinen Bruder Bryan (17), der von Geburt an das Down-Syndrom hat. Susanne Schulz von der Aktion Adventslicht freut sich, dass es den beiden besser geht – und Bryan kommt nächstes Jahr in die Werkstätten der Lebenshilfe.
Ihr Schicksal interessiert viele Courier-Leser: Steven Schamborzki (21, rechts) kümmert sich seit dem Tod der Mutter um seinen Bruder Bryan (17), der von Geburt an das Down-Syndrom hat. Susanne Schulz von der Aktion Adventslicht freut sich, dass es den beiden besser geht – und Bryan kommt nächstes Jahr in die Werkstätten der Lebenshilfe.

Die Aktion Adventslicht half den Brüdern Schamborzki – mit Erfolg.

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23. Dezember 2017, 18:22 Uhr

Neumünster | Eine große Tasse mit heißer Schokolade und Schlagsahne oben drauf steht auf dem Tisch. Bryan schaut seinen Bruder fragend an. „Du musst mit dem Löffel umrühren“, sagt Steven und macht es vor. Bryan murmelt etwas, zupft Steven liebevoll am Arm. Die zwei verstehen sich auch ohne gesprochene Worte. Denn Bryan (17) hat von Geburt an das Down-Syndrom und kann nicht sprechen. Das Schicksal der Geschwister bewegte im vergangenen Jahr die Courier-Leser. Steven Schamborzki (21) kümmert sich seit dem Tod ihrer Mutter um seinen Bruder. Die Aktion Adventslicht bescherte die Zwei 2016 mit warmer Wintergarderobe und half so wie in vielen Fällen Familien, die unverschuldet in Not geraten sind. Jetzt, ein Jahr später, geht es aufwärts mit den Brüdern – der Courier besuchte sie.

„Viele Menschen haben sich nach ihnen erkundigt und gefragt, wie es ihnen geht. Wir betreuen unsere Fälle ja nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern sind das ganze Jahr ansprechbar, zum Beispiel auch, wenn eine Familie durch ein Feuer ihr Zuhause verliert oder bei anderen Notfällen“, sagt Susanne Schulz von der Aktionsgemeinschaft zur Förderung Behinderter und Benachteiligter. Sie war und ist der Ansprechpartner für die beiden Brüder bei der Aktion Adventslicht und freute sich, dass es den beiden gut geht. „Bryan geht noch auf die Fröbelschule, hat mittwochs Handi-Ball, geht ab und zu schwimmen und jeden zweiten Sonnabend zum Treff der Lebenshilfe; dort werden Ausflüge ins Kino oder zum Eisessen organisiert.

Sein großer Bruder lebt mit ihm in einer behindertengerechten Wohnung in der Innenstadt zusammen, ist seine engste Bezugsperson und hatte, nachdem im Februar 2016 ihre alleinerziehende Mutter an Krebs gestorben war, seine persönlichen Pläne erstmal zurückgestellt, um Zeit für Bryan zu haben.

Wer die beiden sieht, erkennt, wie liebevoll und geduldig Steven mit ihm umgeht, seine Laute, Blicke und Gesten richtig deutet – egal, ob Bryan etwas zu trinken oder zu essen möchte, nach Hause will oder Bauchschmerzen hat. Für ihn bricht 2018 eine neue Lebensphase an: Bryan kommt ab dem Sommer in die Werkstätten der Lebenshilfe an der Rügenstraße. „Es muss noch geklärt werden, ob er weiter bei mir wohnen kann“, sagt Steven. Susanne Schulz befürwortet das deutlich: „Steven ist seine absolute Vertrauensperson. Es wäre nicht sinnvoll, die beiden auseinanderzureißen. Das sieht man doch auch ganz klar, wenn sich Bryan an seinen Bruder kuschelt, er gibt ihm Geborgenheit und Sicherheit.“ Auch Stevens neue Freundin und deren Eltern kommen mit Bryan gut klar – und Bryan mit ihnen.

Für den 21-Jährigen bedeutet das, mehr Zeit für seine Pläne zu haben und anzufangen „sein“ Leben zu leben. Den Hauptschulabschluss hat er in der Tasche, aber das ist ihm nicht genug. „Ich möchte an der Elly-Heuss-Knapp-Schule meinen Realschulabschluss nachholen, wenn sie mich nehmen“, sagt Steven, der einräumt, eine berufsvorbereitende Maßnahme beim Ausbildungsverbund abgebrochen zu haben – denn die Trauer um die Mutter und die Betreuung von Bryan wogen zu schwer. In so einer Situation war die Kraft für eine solche Maßnahme nicht groß genug. Welchen Beruf er mal ausüben möchte, weiß Steven noch nicht, „auf jeden Fall was mit Menschen“. Es gehe ihm auf jeden Fall besser als im letzten Jahr, auch wenn die Trauer noch tief sitzt. „Bryan bricht jedes Mal zusammen, wenn wir ans Grab gehen“, sagt Steven. Über seine Gefühle sagt er wenig.

Finanziell kommen die zwei einigermaßen klar – nach ein wenig Unruhe, als seine Schwester ihren Teil der Beerdigungskosten nicht zahlte und Steven dafür belangt wurde. Ein großer Bruder, mit dem er sonst keinen Kontakt hat, half aus, aber ansonsten ist Steve auf sich allein gestellt. Der biologische Vater und weitere Geschwister spielen aufgrund schwieriger Familienverhältnisse keine Rolle. Weihnachten feiert Steven mit Freundin, deren Eltern und Bryan. Allerdings sind große Geschenke nicht drin. Aber das ist ihm nicht wichtig: „Wenn ich weiß, dass Bryan gut aufgehoben ist, habe ich jeden Tag ein größeres Zeitfenster.“

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