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17. Oktober 2017 | 22:54 Uhr

Neumünster : Brutaler Raubzug als Racheakt

vom

Gericht verurteilte zwei Schläger zu je einem Jahr Haft

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 07:41 Uhr

Neumünster | Zu holen gab es bei dem Opfer so gut wie nichts, das war den beiden 28- und 31-jährigen Männern auch vorher klar. Dennoch schlugen sie den 51-Jährigen brutal zusammen und raubten ihn aus. Das war im vergangenen Sommer.

Am Freitag bekamen sie dafür die Rechnung: Das Schöffengericht verurteilte die Schläger wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu je einem Jahr Gefängnis auf Bewährung. Außerdem müssen sie ihrem Opfer jeweils 500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Dabei sah es lange Zeit gar nicht nach einer Verurteilung aus, gleich zweimal drehte im Gerichtssaal die Stimmung: Die Anklage klang zunächst schlüssig: Danach hatte das Opfer, ein Zimmermann aus der Innenstadt, in einer Kneipe an der Parkstraße kräftig "getankt", bevor er sich auf dem Heimweg machte. Die beiden Täter, ebenfalls Gäste der Kneipe, folgten ihm, griffen ihn nur wenige Meter von der Kneipe entfernt an, schlugen ihn zu Boden und nahmen ihm Handy und Portemonnaie ab. Der Mann wurde dabei übel zugerichtet. Ein Arzt im Krankenhaus diagnostizierte schwere Blutergüsse an Hand, Kopf, Schulter und Rücken.

Die Angeklagten räumten zwar eine n Streit ein, wollten von den Prügeln und dem Raub aber nichts wissen. Der Mann habe sie zuvor provoziert, als "asozial" beschimpft, weil sie in der Kneipe den angebotenen Schnaps zurückgewiesen hätten.

Eine Kneipenbedienung hatte gegenüber der Polizei diesen Zwist bestätigt. Von der Staatsanwältin damit konfrontiert, wollte der 51-Jährige davon aber partout nichts wissen: "Das stimmt doch alles nicht!" Sein beharrliches Leugnen nährte einen bösen Verdacht: Hatte der Mann sich den Raub etwa nur ausgedacht, um sich bei den Männern zu rächen?

Erst der einzige Augenzeuge, der die Auseinandersetzung zufällig mitbekam, rückte die Relationen wieder zurecht: "Die haben ihn regelrecht gefilzt und immer wieder auf ihn eingeschlagen", sagte der Mann. Das sogar, als ihr Opfer längst am Boden gelegen und nur noch gebeten habe: "Lasst mich in Ruhe, ihr habt doch alles!"

Die Aussage bewog die Verteidiger, auf ihre Mandanten einzuwirken. Nach kurzer Unterbrechung legten die ein umfangreiches Geständnis ab: "Ja, wir haben ihn zusammengeschlagen."

Die Anklage forderte wegen der Brutalität der Angriffe 15 Monate Haft. Das Gericht unterstellte dagegen einen einmaligen Ausrutscher. "Das wäre vermutlich nicht passiert, wenn sie nicht so betrunken gewesen wären", sagte die Richterin.

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