Brunst-Zöllner: Ein "Titan" aus Neumünster?

Die Raute ist immer dabei: Der Neumünsteraner Torwart Alexander Brunst-Zöllner zeigt vor dem bekannten Wahrzeichen seines Vereins Hamburger SV eine Glanzparade. Foto: oho
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Die Raute ist immer dabei: Der Neumünsteraner Torwart Alexander Brunst-Zöllner zeigt vor dem bekannten Wahrzeichen seines Vereins Hamburger SV eine Glanzparade. Foto: oho

Eines der größten Torwarttalente des Hamburger SV kommt aus Neumünster: der 13-jährige Alexander Brunst-Zöllner. Der Courier hat ihn besucht.

shz.de von
12. Februar 2009, 03:59 Uhr

Neumünster | Man kann seine Träume auch leben. Genau dies beweist Alexander Brunst-Zöllner seit dem Sommer 2008. Denn der Kicker aus Neumünster spielt inzwischen in der Nachwuchsabteilung von keinem Geringeren als dem Bundesligisten Hamburger SV.

Das Fußball-Abc erlernte der Torwart zunächst beim MTSV Olympia Neumünster, wo er die ersten sieben Jahre seiner jungen Karriere verbrachte. Danach ging es an die Dannenkoppel zum TSV Gadeland, wo er bis zu seinem Wechsel an die Alster 2008 den Kasten sauberhielt. "Meistens gewannen wir 10:0 oder so", erinnert sich der 13-Jährige an seine bisher letzte Saison in Schleswig-Holstein. Inzwischen sind die Anforderungen jedoch deutlich höher für den Spieler der U 14 des HSV in der Verbandsliga Hamburg. Alleine zum Training geht es für den Keeper vier Mal pro Woche nach Hamburg. Zwei Mal steht für den Schüler vor der eigentlichen Trainingseinheit noch ein extra Torwarttraining auf dem Programm. Jedoch ist nicht alleine die Quantität eine deutlich andere als bei den "Kleeblättern". "Die Übungseinheiten beim HSV sind nicht mit denen in Neumünster zu vergleichen. In Hamburg wird viel härter trainiert und mehr Betonung auf die Taktik gelegt", plaudert das Talent aus dem Nähkästchen. Auch südlich von Neumünster hat der Schlussmann bereits sein Können deutlich unter Beweis gestellt und für einen positiven Eindruck gesorgt. Nicht nur, dass er den Kasten der Landesauswahl von Hamburg hütet, bereits bei drei Hallenturnieren wurde Brunst-Zöllner zum besten Schlussmann gewählt. Die Konkurrenz kann sich dabei sehen lassen, wie beispielsweise in Köln oder Fürstenfeldbruck, weiß der 13-Jährige zu berichten: "Wir haben schon gegen fast jeden Bundesliganachwuchs gespielt." Doch die größte Herausforderung steht dem Talent von der Helene-Lange-Schule noch bevor: "Ab der nächsten Saison spiele ich in der Regionalliga. Das ist die höchste Spielklasse für C-Junioren in ganz Deutschland." Außer dem sportlichen Erfolg steht für Brunst-Zöllner noch etwas anderes im Blickpunkt, da nicht nur seine Eltern auf die Leistungen in der Schule gucken. Mutter Britta Brunst-Zöllner erklärt: "Auch der HSV achtet auf die Schulnoten. Früher haben die Vereine da kein Auge draufgehabt, aber heute schenken die auch den schulischen Leistungen Beachtung. Die Schule ist einfach das A und O." Filius Alexander weiß zu berichten: "Meine Trainer wollen immer das neueste Zeugnis sehen." Im Notfall kann der Schwalestädter dann auch mal eine Trainingseinheit ausfallen lassen, sollte der Schulstress kurz vor Klassenarbeiten mal kurzzeitig Überhand nehmen.

Die Fahrt nach Hamburg müssen die Eltern des Talents nicht alleine bewerkstelligen, wie Britta Brunst-Zöllner verrät: "Es ist ein Fahrdienst organisiert mit einem HSV-Bus, sonst wäre das gar nicht machbar für uns." Der Schüler der 7a wird für die Entbehrungen und Fahrzeiten nicht nur durch die Raute auf der Brust entlohnt, wie er verrät: "Einmal hatten wir bereits Torwarttraining mit Frank Rost, und zwei Mal war Thiago Neves von der Profimannschaft bei uns zu Gast." Über Sportkleidung muss sich der Junge seit seinem Wechsel ebenfalls keinerlei Gedanken mehr machen, denn inzwischen ist das Talent von Kopf bis Fuß in Schwarz-Weiß-Blau eingekleidet. Und an Torwarthandschuhen mangelt es auch nicht, was alleine da ran deutlich wird, dass der Schüler für das Courier-Foto einfach ein neues Paar aus der Schublade zaubert. Nur das Waschen bleibt noch Aufgabe der Eltern.

Das eigentliche Highlight wartet auf den ehemaligen Landesauswahlspieler des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes nahezu Woche für Woche: "Die U 14-Kicker sind bei den meisten Partien als Balljungen in der HSH-Nordbank-Arena eingesetzt, wenn Bundesligaspiele auf dem Programm stehen." Und dann beginnen die Augen des 13-Jährigen richtig zu leuchten: "Es ist einfach ein unglaubliches und einmaliges Gefühl, wenn man einem Piotr Trochowski oder Ivica Olic mal den Ball zuwerfen darf." Bereut hat der Nachwuchskeeper seine Entscheidung bisher nicht, wie er felsenfest behauptet: "Definitiv nicht."

Es war allerdings kein leichter Weg in die HSV-Elf. Ein Jahr lang wurde der Neumünsteraner vom Bundesligisten beobachtet, bevor es zu einem Sichtungsturnier ging. Nachdem der Schüler auch diese Casting-Runde überstanden hatte, stand ein Probetraining auf dem Programm. Auch dort konnte der Schleswig-Holsteiner überzeugen, doch die Entscheidung war dadurch noch nicht gefallen, wie Britta Brunst-Zöllner berichtet: "Während Alexander unter der Dusche stand, hatten wir ein Gespräch, in dem wir alle unsere Sorgen und Ängste den Verantwortlichen in Hamburg übermittelt haben." Ins Fußballinternat sollte der Keeper nicht gleich, und so fiel die Entscheidung schließlich zu Gunsten des HSV-Sportleistungszentrums.

Bei seinen Freunden ist die Karriere des Keepers kein Thema, wie Alexanders Mutter verrät: "Er spricht nicht so gerne darüber." Die Spiele seiner ehemaligen Teamkameraden verfolgt der Keeper aber dennoch ab und zu, wie er erzählt: "Wenn ich Zeit habe, gucke bei denen schon vorbei. Die fragen mich dann auch, wie es beim HSV so läuft." Wie weit die Karriere des Neumünsteraners am Ende gehen wird, bleibt abzuwarten. "Alexanders größtes Idol ist Oliver Kahn. Aber das hat er denen beim HSV auch gleich von Anfang an gesagt. In Hamburg hat man das auch verstanden, und die Trainer haben gemeint, dass sie so einen Torwart auch gerne gehabt hätten", lacht Britta Brunst-Zöllner. Anstelle von Kahn haben die Hamburger nun Alexander Brunst-Zöllner aus Neumünster. Und wer weiß, ob der neue "Titan" nicht aus der Schwalestadt kommen wird ...

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