Neumünster : Brötchen gegen häusliche Gewalt

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1000 Brötchentüten wurden bei der Aktion an Passanten verteilt.
1000 Brötchentüten wurden bei der Aktion an Passanten verteilt.

Bäckereien und Hilfsorganisationen machten am Sonnabend auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam.

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25. November 2018, 17:10 Uhr

Neumünster | „Die Zahlen sprechen für sich“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Michaela Zöllner. Letztes Jahr suchten in Neumünster 359 Frauen und 209 Kinder professionelle Hilfe nach akuter häuslicher Gewalt. Das Autonome Frauenhaus Neumünster nahm 88 Frauen und 92 Kinder auf - 267 mussten aus Platzmangel abgewiesen werden. Die Dunkelziffer der Fälle häuslicher Gewalt ist geschätzt zehn- bis zwölfmal so hoch.

Deshalb machte das Kooperations- und Interventionskonzept des Landes Schleswig-Holstein (KIK) zusammen mit dem Notruf Neumünster und den örtlichen Bäckereien auf das Thema aufmerksam. Unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ verteilten sie 1000 Brötchentüten in der Innenstadt. Das ist Teil einer landesweiten Aktion, die vom Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung initiiert wurde. 32 000 Brötchentüten wurden in ganz Schleswig-Holstein verteilt. Darauf zu lesen ist die Nummer eines Hilfe-Telefons für Betroffene.

„Viele Frauen stehen in einem Spannungsfeld aus Angst, Abhängigkeit vom Partner und dem Schutz ihrer Kinder“, so Zöllner. Das hindere sie häufig daran, sich Hilfe zu suchen. Hinzu komme, dass viele nicht wüssten, wo sie Unterstützung bekommen. Deshalb verteilten 20 Helferinnen die Brötchentüten umso motivierter an Passanten.

Auch Maren Andresen von der Bäckerei Andresen, Hans-Jürgen Tackmann von der Bäckerei Tackmann und Lars Heimann, Ausbilder in der Justizvollzugsanstalt, packten mit an.

Raja Wolf arbeitet beim Notruf Neumünster und macht seit zwölf Jahren bei der Initiative mit. „Heute sind sehr viele Männer an unserer Aktion interessiert“, freut sie sich. Zwar seien die Opfer häuslicher Gewalt meist weiblich, aber Raja Wolf sagt ganz klar: „Bei Gewalt geht es um den Menschen, nicht um männlich oder weiblich.“ Deshalb haben natürlich auch Männer die Möglichkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wer Hilfe benötigt, dem bietet der Notruf Neumünster unter der Nummer 04321/42303 Beratung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt an. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bietet unter 08000/116016 bundesweit kostenlos und rund um die Uhr Hilfe an.

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