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Niederdeutsche Bühne : Brillantes Spiel über das Leben im Alter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die NBN feierte Premiere und begeisterte mit „Een wunnerbores Öller“ das Publikum. Dieter Milkereit erfuhr in seiner Glanzrolle als 80-Jähriger große Bewunderung.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2016 | 18:23 Uhr

Watt een wunnerboren Dorsteller! Zwei Stunden und sieben Minuten stand Dieter Milkereit am Sonnabendabend auf der Bühne, und zwei Stunden und sieben Minuten hielt er das Publikum mit seiner Schauspielkunst in Atem, entlockte ihm Bewunderung für die bis ins kleinste Detail authentische Darstellung des 80-jährigen Georg Neumann und begeisterte es mit trockenen Kommentaren, wie sie nur ein Curth Flatow († 2011) ersinnen konnte.

Der bekannte Bühnenautor hat die Vorlage für die Komödie „Een wunnerbores Öller“ geliefert. Gerd Meier übertrug sie ins Plattdeutsche, und die Niederdeutsche Bühne (NBN) brachte sie unter der Regie von Rudolf Plent auf die Studiobühne. Wie immer, wenn hier Premieren gefeiert werden, war das kleine Theater ausverkauft. In neugieriger Erwartung nahmen die 120 Gäste Platz, denn bereits zum zweiten Mal hatten die Bühnenleiter Dieter Milkereit und Frank Juds auf professionelle Unterstützung gesetzt: Für die Rolle der Studentin Christa konnten sie die ausgebildete Schauspielerin Nele Larsen gewinnen und für Bühnenbild und Regie den erfahrenen Schauspieler und Regisseur Rudolf Plent.

„Traust du mir zu, einen 80-Jährigen zu spielen?“ Mit dieser Frage war Milkereit vor einem Dreivierteljahr etwas bange an Plent herangetreten, nachdem dieser signalisiert hatte, „gerne mal wieder in Neumünster zu inszenieren“. Rudolf Plent zögerte keine Minute: „Natürlich!“ Schließlich werde er selbst in drei Jahren 80, kenne also die Maleschen des Alters zur Genüge, und außerdem sei ihm Milkereits Leidenschaft für die Schauspielerei aus früheren Inszenierungen der NBN bestens bekannt, sagte Plent.

„Um die Zuschauer zu packen, müssen die Schauspieler Leidenschaft zeigen“, erklärte Rudolf Plent seine Regiearbeit. Das ist ihm aufs Trefflichste gelungen. Nicht nur Dieter Milkereit brillierte unter den Anweisungen von Plent. Sämtliche Darsteller füllten ihre Rollen sehr überzeugend aus: von Nele Larsen, die dem kauzigen Georg Neumann alias Milkereit als Frohnatur Christa einen zweiten Frühling beschert und mit den Ideen der Jugend konfrontiert, über Erika Wittig als Hausbesitzerin Glaser, mit der sich Georg Neumann seit Jahren einen Kleinkrieg liefert, bis hin zu seiner verflossenen Liebe Gitta Eckstein (wunderbar gespielt von Heike Ingwersen), die unverhofft auftaucht und nichts Gutes im Schilde führt.

Selbst kleine Rollen wie die von Britta Holdorf als erbsüchtige Enkeltochter oder Monika Kiehn als Frau Strobel vom „Rrrrollenden Mittagstisch“ warfen Dieter Milkereit die komödiantischen Bälle nur so zu. Der parierte prächtig.

Die nächsten Aufführungen auf der NBN-Studiobühne gibt es heute, morgen und übermorgen und am 19. März (jeweils um 20 Uhr) sowie am 20. März um 16 Uhr. Am 17. und 18. März um 20 Uhr gastiert die NBN im Theater in der Stadthalle. Eintrittskarten gibt es für 11 bis 13 Euro (Schüler und Studenten 5 Euro) bei Auch & Kneidl sowie an der Abendkasse.

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