Rickling : Braucht die Gemeinde einen Dorfmanager?

Imme Lindemann, Mitarbeiterin des Regionalentwicklungsbüros Region Nord, sammelt die Ideen der Bürger zur Dorfentwicklung gewissenhaft an Pinnwänden.
Imme Lindemann, Mitarbeiterin des Regionalentwicklungsbüros Region Nord, sammelt die Ideen der Bürger zur Dorfentwicklung gewissenhaft an Pinnwänden.

90 Bürger machten sich Gedanken über die Zukunft ihres Dorfes.

shz.de von
24. Januar 2015, 07:30 Uhr

Rickling | Wie soll Rickling im Jahr 2020 aussehen? Um sich darüber mit den Einwohnern auszutauschen, hatte die Gemeindevertretung am Mittwochabend in der Gaststätte Zur Doppeleiche geladen. Etwa 90 Interessierte kamen zusammen, um mit Unterstützung des Regionalentwicklungsbüros Region Nord aus Itzehoe Ideen und Chancen zu diskutieren.

Der demografische Wandel, die Globalisierung sowie die Abwanderung in die Städte seien die Trends, denen sich die Dörfer im ganzen Land stellen müssten. „Doch zwischen Bad Segeberg, Bad Bramstedt und Neumünster gelegen, hat Rickling zumindest geografisch eine attraktive Lage“, schickte Moderator Olaf Prüß (Region Nord) seinen Ausführungen voraus. Auch sei das Dorf mit der Schule, der Kindertagesstätte, einem hohen Anteil an Bestandsgewerbe sowie einem regen Vereinsleben gut ausstattet.

Auf seiner Empfehlungsliste für Entwicklungsprojekte der Gemeinde fanden sich dann jedoch kaum neue Ansätze. Denn sowohl mit einem neuen Gewerbe- als auch mit einem Baugebiet beschäftigt sich die Kommunalpolitik schon längere Zeit. Gleiches gilt für die von Prüß benannten Nutzungen der alten Schule und der Amtsverwaltung. Ebenso ist die Breitbandversorgung in der Gemeindevertretung bereits Thema. Die Umstellung der Ferienpassaktion auf eine Ferienbetreuung sowie die bessere Vernetzung der Vereine untereinander sind seine Tipps.

Im sozusagen „roten Bereich“ mit dringendem Handlungsbedarf sah Prüß allerdings die Nahversorgung im Ort. „Zurzeit gibt es zwar kleine Märkte. Aber das wird auf Dauer nicht ausreichen“, erklärte er. Und ihren dringlichen Wunsch nach einer Arztpraxis können die Ricklinger wohl auch abschreiben. „Der Raum Neumünster ist mit 112 Prozent zurzeit schon übersorgt“, erklärte hier der Regionalentwickler mit dem Hinweis über die Verteilung von Praxen durch die Kassenärztliche Vereinigung (der Courier berichtete).

In der anschließenden Diskussion hatten die Teilnehmer selbst dann aber doch noch einige neue Ideen parat. So wurde unter anderem für die alte Schule der Ausbau von Wohnungen für Flüchtlinge angeregt, um so finanzielle Einnahmen für das Haus zu generieren.

Die alte Schule als Kommunikations- und Dienstleistungszentrum konnte sich auch Rüdiger Wolf gut vorstellen. „Man sollte auf den Kauf der Amtsverwaltung verzichten und die Schule in dieser Hinsicht ausbauen“, sagte er und erhielt dafür große Zustimmung unter den Anwesenden. Eine Seniorentagesstätte wünschte sich Christina Abromeit. Außerdem wurden die Einrichtung eines Jugendtreffs sowie eines Jugendbeirats ebenso wie ein kommunales Kino angeregt.

Für die Beschäftigung eines Dorfmanagers sprach sich Andreas Harms aus. „Die Frage ist doch, was können wir aus der Gemeinde herausholen? Dazu bedarf eines Wirtschaftsfachmanns, der die Dorfentwicklung unter diesem Aspekt begleitet“, erklärte er.

Am Ende der Versammlung dankte Bürgermeister Christian Thomann (ABR) den Teilnehmern und fordert sie auf, weiterhin aktiv an der Dorfentwicklung mitzuarbeiten. „Wir stehen gemeinsam vor dieser Herausforderung. Letztlich bleibt aber auch alles immer eine Frage der Haushaltslage“, gab der Bürgermeister abschließend zu bedenken.  






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