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Holsteinischer Courier

20. November 2017 | 22:24 Uhr

Gerichtsbericht : Brandstiftung auf dem Dachboden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Mann (30) muss sich zurzeit vor Gericht verantworten. Seine Ex-Freundin ging mehr als anderthalb Jahre nach dem Brand zur Polizei.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Es waren dramatische Bilder: Am 16. März 2013 gegen 20.30 Uhr schlugen plötzlich helle Flammen aus dem Dach des Mehrfamilienhauses an der Rosenstraße 6. Polizisten, die als erste vor Ort waren, rannten in das verqualmte Haus und warnten die Mieter, zum Glück waren nur zwei Wohnungen im Erdgeschoss bewohnt. Seit gestern muss sich ein Neumünsteraner (30) vor dem Schöffengericht wegen Brandstiftung verantworten.

Laut Anklage soll der Mann bis zum Sommer 2012 in dem Haus im Vicelinviertel in der Wohnung seiner damaligen Freundin unter dem Dach gelebt haben. Ein dreiviertel Jahr später soll das Paar dann noch einmal zurückgekommen sein, um einige Dinge vom Dachboden zu holen. Um sich am Vermieter zu rächen, der beim Auszug die Kaution einbehalten hatte, soll der Mann auf dem Dachboden Papier angezündet haben. Das Feuer griff auf die Balken des Dachstuhls über. Nach dem Brand war das Haus eine Zeit lang nicht bewohnbar.

Das Ungewöhnliche an dem Fall: Der Angeklagte kam erst mehr als anderthalb Jahre später – nämlich Anfang 2015 – ins Visier der Ermittler. Und zwar durch eine Aussage seiner ehemaligen Freundin. Die war offenbar kurz nach der Trennung zur Polizei gegangen.

Der Angeklagte äußerte sich zu dem Vorwurf gestern nicht. Er stellte jedoch klar, dass er selbst keinerlei Ärger mit dem Vermieter hatte. Das Mietverhältnis sei komplett über seine Ex-Freundin gelaufen, die schon Jahre zuvor die Wohnung bezogen hatte und dort mit ihrer Tochter lebte. Nach dem Auszug sei er nie mehr in dem Haus gewesen, sagte er. Als sie sich im Januar 2015 trennten, habe die Frau „rumgezickt und war definitiv gegen mich eingestellt“, so der Mann.

Das sah die ehemalige Lebensgefährtin (38) anders. „Ich war froh, als er weg war. Die Polizei war ja schon Stammgast, als der noch bei mir wohnte“, erklärte sie als Zeugin. Sie habe den Ex-Freund nur angezeigt, weil ihr auf Facebook eine Nachbarin ins Gewissen redete, erklärte sie. „Und ich hatte ohnehin Gewissensbisse, weil ich das ja alles wusste“, so die Frau.

Nach ihrer Aussage steckte der 30-Jährige immer wieder aus Langeweile auf Spaziergängen etwas an oder zündelte in Gartenlauben, nachdem er dort etwas gestohlen hatte.

An dem besagten Abend will sie mit dem Angeklagten auf dem Dachboden über ihrer ehemaligen Wohnung nach verschollenen CDs gesucht haben. Haus und Speicher seien stets unverschlossen gewesen, daher sei das kein Problem gewesen. Als sie ihre Sachen dort im Gewühl nicht mehr fand, sei sie wieder hinunter gegangen. Ihr Freund sei ein paar Minuten länger oben geblieben. Als er wieder auf die Straße kam, erzählte er ihr auf Nachfrage von „nem Feuerchen“, berichtete die Zeugin. Sie habe ihm erst nicht geglaubt und sich auf den Heimweg gemacht. Doch nach kurzer Zeit habe sie ein Knacken gehört und Qualm und Flammen am Dach gesehen.

Weil gestern wichtige Zeugen fehlten, konnte das Gericht noch kein Urteil fällen. Der Prozess wird deshalb Ende des Monats fortgesetzt.

Einen zweiten Vorwurf, den das Gericht gleich mitverhandelt, gab der Mann unumwunden zu. Anfang 2014 soll er in der Gartenanlage am Wernershagener Weg zwei Schuppen aufgebrochen und daraus Akkuschrauber, eine Bohrmaschine und eine Säge mitgenommen haben. „Das stimmt. Die habe ich für 30 oder 40 Euro verkauft“, erzählte der Angeklagte.

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