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Nach dem Feuer : Brandruine als gefährlicher Spielplatz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In dem ausgebrannten Haus am Kattenstieg lauern viele bedrohliche Gefahren. Auch drei Wochen nach dem Feuer ist die Ruine ungesichert

Neumünster | Das Feuer ist aus, aber die Gefahr ist keineswegs gebannt. Auch drei Wochen nach dem verheerenden Brand in einem leerstehenden Haus an der Wasbeker Straße / Kattenstieg, ist die Ruine ungesichert – ein gefährlicher Abenteuerspielplatz für Jugendliche und Kinder.

Das Flatterband, mit dem die Polizei das ausgebrannte Areal nach der Brandnacht am 11. Juli notdürftig abgesperrt hatte, ist längst zerrissen, fast sämtliche Türen und Fenster sind inzwischen eingeschlagen, aus den schweren Rahmen ragen halbmeterlange Glaszacken in den Raum, die Böden sind mit Glassplittern und verrußtem Gerümpel übersät. Von den Decken hängen lose Kabel und angeschmorte Reste der Verkleidung, eine verkohlte Treppe führt in den ersten Stock. Auch hier sind die Scheiben zerborsten und drohen bei jedem Windstoß herabzustürzen. Schränke und Schubladen sind herausgerissen, in einem Raum flattern Krankenakten und Ärztekorrespondenz (über den früheren Bewohner des Hauses?) herum.

In einem verwaisten Schuppen steht neben allerlei altem Gerümpel noch ein Kanister, aus dem es nach Benzin stinkt. Die Spuren in den Fluren und eine im Garten zusammengestellte Sitzecke lassen vermuten, dass die Ruine auch nach dem Brand noch regelmäßig von Jugendlichen oder Obdachlosen aufgesucht wird.

„Da ist immer was los“, bestätigte gestern eine Gruppe Jugendlicher, die sich in der Auffahrt vor dem Gebäude aufhielt. Auf die Idee, die Stadt zu verständigen, sind sie offenbar nicht gekommen.

Dort zeigte man sich gestern überrascht: „Von dem Fall wissen wir nichts“, versicherte Dieter Wirth, Leiter der Baufsicht auf Courier-Anfrage. Auch an anderer Stelle herrschte gestern Rätselraten, warum sich an der Ruine noch nichts weiter getan hat: „Wir haben den Brandort nach den Löscharbeiten an die Polizei übergeben“, sagte gestern Rainer Scheele, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr. Das sei übliches Verfahren, wenn der Eigentümer vor Ort nicht anzutreffen ist.

Die Polizei hatte den Brandort zunächst polizeilich beschlagnahmt, weil sie Brandstiftung als Ursache des Feuers vermutete. Das Feuer war am Abend des 11. Juli in dem versteckt liegenden Gebäude ausgebrochen, das seit Monaten leerstand. Inzwischen gehen die Ermittler allerdings von einem technischen Defekt als Auslöser des Feuers aus.

Die Polizei hatte nach dem Brand mit dem Hamburger Eigentümer des Hauses gesprochen und ihn dabei laut Polizeisprecher Sönke Hinrichs auch auf seine Verkehrssicherungspflichten hingewiesen. „Nach unseren Informationen will er jetzt aktiv werden“ sagte Hinrichs gestern.

Aktiv werden will jetzt auch die Bauaufsicht: Ein Mitarbeiter werde den Brandort umgehend aufsuchen, und unter die Lupe nehmen, versprach gestern Bauaufsichts-Chef Dieter Wirth. Danach werde die Behörde entscheiden, wie man weiter vorgehe. In gravierenden Fällen könne die Stadt auch von sich aus Sicherungsmaßnahmen vornehmen lassen, um akute Gefährdungen abzustellen, machte Wirth deutlich.

Ein Anlieger, der seinen Namen nicht nennen möchte, zeigte sich gestern erleichtert über die Ankündigung: Es werde auch Zeit dass sich dort endlich was tue, „der ganze Schandfleck gehört seit langem abgerissen“.

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Kiloschwere Glasscherben, die jeden Moment herabzustürzen drohen, verkohlte Treppen, Benzinreste im Schuppen  – und zur Straßenseite  hin offene Türen, die auf Kinder, Jugendliche oder andere Glücksritter  eine magische Anziehungskraft ausüben. Nichts gegen organisierte Abenteuerspielplätze, auf denen Kinder auch mal Hammer und Säge in die Hand nehmen oder einem verrosteten Nagel begegnen können, aber was  Kinder und Jugendliche am Kattenstieg erwartet, geht entschieden zu weit. Auf  jeden Schritt und Tritt lauern in der Brandruine gefährliche Unfallgefahren – und das seit drei Wochen! Egal, wer da nicht aufgepasst und versäumt hat, die Absicherung  einzufordern,  jetzt ist die Stadt gefordert: Macht die Ruine zu,   bevor erst etwas passiert!

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erstellt am 05.Aug.2015 | 06:30 Uhr

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