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Gerichtsbericht : Brandprozess: Zeugen waren sich nicht einig

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Weder eine Gegenüberstellung noch die Vereidigung brachten Klarheit.

Neumünster | Im Prozess um die Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus an der Bahnhofstraße 40 wird vor dem Kieler Landgericht weiter mit harten Bandagen gekämpft. Unter anderem gab es gestern eine für Strafprozesse äußerst ungewöhnliche sogenannte Gegenüberstellung. Dafür waren drei Zeugen zeitgleich noch einmal geladen worden, die zuvor zu ein und demselben Komplex unterschiedliche Angaben gemacht hatten. Jetzt wurden sie nebeneinander sitzend mit den Widersprüchen konfrontiert.

Mittlerweile wird in dem Prozess seit Ende August vergangenen Jahres verhandelt. Fünf Männer im Alter zwischen 31 und 70 Jahren müssen sich seitdem verantworten. Laut Anklage sollen zwei Brüder (31 und 37) im Auftrag des Hausbesitzers (32) in der Nacht zum 15. September 2013 in dem Mehrfamilienhaus an mehreren Stellen Feuer gelegt haben. Zwei Bekannte des Eigentümers, ein Gastwirt (70) und ein Kaufmann (38), sollen die Tat einst mit geplant haben. Laut Staatsanwaltschaft wollten die Männer an die Versicherungssumme von 500  000 Euro herankommen (der Courier berichtete).

„Eine Gegenüberstellung kommt sehr selten vor. Ich glaube, ich habe das in über 20 Jahren bisher nur einmal gemacht“, erklärte der Vorsitzende Richter, bevor er zwei Polizisten und einen Rechtsanwalt gemeinsam in den Saal bat. Alle drei hatten bereits vor Wochen schon einzeln als Zeugen ausgesagt. Die beiden Beamten hatten einst nach dem Feuer ermittelt. Der Anwalt hatte den jüngeren Brandstifter zum Zeitpunkt seiner Festnahme kurzzeitig rechtlich vertreten. Strittig war jetzt ein Gespräch der drei Männer nach einer ersten Vernehmung des damals inhaftierten Brandstifters. Die beiden Beamten sowie der Anwalt hatten sich nach dem Termin vor der Justizvollzugsanstalt Itzehoe noch kurz bei einer Zigarette unterhalten. Die beiden Polizisten erinnerten sich daran, mit dem Juristen über das Prozedere bei einer möglichen Nachvernehmung des Mannes gesprochen zu haben. Demnach habe der Anwalt es nicht für wichtig erachtet, bei einer weiteren Befragung seines Mandanten noch einmal hinzugezogen zu werden. Davon wollte der Jurist weder in seiner ersten Aussage noch gestern etwas wissen. Er schilderte hingegen, wie er später „völlig baff und auch sauer“ gewesen sei, als er später von einer weiteren Vernehmung erfuhr, von der er nicht unterrichtet worden war. Die Widersprüche in ihren Darstellungen konnten die drei Zeugen gestern nicht auflösen. Nach längeren Diskussionen im Saal und einer Beratung der Kammer wurden sie schließlich vereidigt.

Zuvor hatte ein Mieter des Hauses seine Erfahrungen mit dem Eigentümer sowie dem Kaufmann geschildert, der immer wieder als Verwalter der Immobilie fungiert haben soll. Zuerst sei es ein freundschaftliches Verhältnis gewesen. Es wurde sogar gemeinsam in dem Haus gefeiert, berichtete der Mann. Als er sich jedoch mit seiner Familie eine größere Bleibe suchen wollte, sei es rund um den Auszug zum Streit um Renovierungsarbeiten und Stromabrechnungen gekommen. Auch der Hauseigentümer und der Kaufmann hätten sich immer wieder in seiner Gegenwart gezankt. In der Regel sei es dabei um Geld gegangen, hieß es.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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erstellt am 24.Feb.2015 | 07:30 Uhr

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