Gerichtsbericht : Brandprozess: Haft für alle Angeklagten

Noch immer fehlt nach der Verpuffung im ersten Stock das Fenster.
Noch immer fehlt nach der Verpuffung im ersten Stock das Fenster.

Nach dem Feuer in dem Haus an der Bahnhofstraße 40 erging im Kieler Landgericht gestern das Urteil. Nicht alles konnte geklärt werden.

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22. Mai 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Neun Monate dauerte der Prozess um die Brandstiftung in dem Mehrfamilienhaus an der Bahnhofstraße 40. Gestern wurde vor dem Landgericht in Kiel das Urteil gefällt. Die fünf Angeklagten bekamen Haftstrafen zwischen zweieinhalb Jahren und drei Jahren und zehn Monaten. Nach der langen Beweisaufnahme kam die 7. große Strafkammer zu dem Schluss, dass die Männer nach einem gemeinsamen Plan am 15. September 2013 das Gebäude in Brand steckten, um später die Versicherungssumme zu kassieren.

Was sich für die vier Neumünsteraner und einen Hamburger einst als Problem dargestellte, sollte ihnen im Urteil zugute kommen: Weil das Gebäude nach der Tat nicht richtig Feuer fing und die Flammen von selbst erloschen, werteten die Richter die Tat nicht, wie in der Anklage vorgesehen, als besonders schwerere Brandstiftung, sondern lediglich als Versuch, was das Strafmaß für alle reduzierte.

In der rund anderthalbstündigen Urteilsbegründung ließ der Vorsitzende das Geschehen noch einmal Revue passieren. Er betonte dabei all die Unklarheiten, die auch durch zahlreiche Zeugen und Sachverständige nicht geklärt werden konnten. Besonders undurchsichtig blieb bis zum Schluss, vom wem letztendlich die Initiative für die Tat ausging. Dabei sprach der Jurist insbesondere zwei Bekannte des Hauseigentümers (33) an. Der Gastwirt (71) und der Kaufmann (38) hätten bei ihren Einlassungen „den Tatbeitrag möglichst klein wirken lassen wollen“, hieß es. Dennoch war sich die Kammer sicher, dass beide die Sache mit planten. So habe der Gastwirt zum Beispiel den Kontakt zu den Brüdern (31 und 37) hergestellt, die dann als Brandstifter zum Einsatz kamen. Außerdem habe er auch bei der Höhe des Lohns mitgeredet und Informationen weitergegeben. Der Wirt wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Dabei berücksichtigte die Kammer unter anderem auch die „Haftempfindlichkeit aufgrund seines Alters“ und die Tatsache, dass er während seiner langen Untersuchungshaft sein florierendes Restaurant verlor.

Der Geschäftsmann, der ab und zu auch als eine Art Hausverwalter aufgetreten war, muss ebenfalls für drei Jahre in Haft. Er hatte laut Urteil nicht nur die Brandstiftung mit geplant, sondern auch gemeinsam mit dem Eigentümer versucht, die Versicherung zu Zahlungen zu bewegen – wenn auch vergeblich.

Mit der genauen Tatbeteiligung des Hauseigentümers tat sich die Kammer ebenfalls schwer. Letztendlich wäre aber der verschuldete Arbeiter „Nutznießer der Sache“ gewesen, wenn alles geklappt hätte. Ohne seine Zustimmung sei auch der versuchte Versicherungsbetrug nicht möglich gewesen, hieß es. Der Mann bekam mit drei Jahren und zehn Monaten die höchste Strafe.

Die Brüder, die einst gegen Mitternacht drei Zehn-Liter-Kanister Benzin im Haus verschütteten und anzündeten, wurden zu zweieinhalb und zweidreiviertel Jahren Haft verurteilt. Allen Angeklagten hielt die Kammer zu Gute, dass sie keine Menschenleben gefährdeten und dafür sorgten, dass zur Tatzeit niemand im Haus war.

Auch wenn bis auf den jüngeren Brandstifter bis gestern noch alle in Untersuchungshaft gesessen hatten, konnten sie nach dem Urteil erst einmal nach Hause fahren. Gegen strenge Meldeauflagen dürfen alle daheim darauf warten, die Strafhaft anzutreten. Und das kann dauern. Offenbar wollen alle Rechtsmittel einlegen. Die Verteidiger hatten durchweg Bewährungsstrafen gefordert. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Haftstrafen bis zu sechseinhalb Jahren plädiert.

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