Krankes Naturdenkmal : Bordesholmer Linde: Tod eines Wahrzeichens

Amtsdirektor Heinrich Lembrecht (links) und Ordnungsamts-Chef Sven Ingwersen zeigen die abgebrochenen Stämme der Bordesholmer Linde. Heute Nachmittag knickten sie einfach ab.
Amtsdirektor Heinrich Lembrecht (links) und Ordnungsamts-Chef Sven Ingwersen zeigen die abgebrochenen Stämme der Bordesholmer Linde. Heute Nachmittag knickten sie einfach ab.

Zwei Stämme der Bordesholmer Linde krachten am Dienstag auf den Platz. Bauhof, Polizei und Feuerwehr waren im Einsatz.

shz.de von
29. Mai 2018, 18:20 Uhr

Bordesholm | Heinrich Lembrecht stehen nicht nur wegen der Hitze die Schweißperlen auf der Stirn: „Das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde“, sagt der Bordesholmer Amtsdirektor und blickt auf zwei tonnenschwere Stämme der Linde, die vor ihm auf dem Platz an der Klosterkirche liegen. Es ist kurz vor 15 Uhr. Gut eine Stunde zuvor ist am Dienstag das Wahrzeichen der Gemeinde buchstäblich aus heiterem Himmel eingestürzt. „Der Brandkrustenpilz hat zugeschlagen“, erklärt Sven Ingwersen. Der Leiter des Ordnungsamtes ist wie Lembrecht sofort zum Unglücksort geeilt und zeigt auf den schwarzen Pilz. Nach schätzungsweise fast 700 Jahren ist vom Naturdenkmal, das das Wappen Bordesholms ziert, nicht mehr viel übrig.

Die altehrwürdige Bordesholmer Linde wird gefällt, nachdem ein großer Ast heruntergebrochen ist.
Christian Lipovsek
Die altehrwürdige Bordesholmer Linde wird gefällt, nachdem ein großer Ast heruntergebrochen ist.
 

Die Polizei sperrt den Platz ab. Die Feuerwehr ist mit dem Drehleiterfahrzeug und dem Einsatzleitfahrzeug vom Großfeuer aus Grevenkrug angerückt. Wehrführer Bernd Christensen, Maurice Zachmann, René Hertrich und Thorsten Kuhr holen die Motorsäge heraus, kürzen aus Sicherheitsgründen auch die Stämme auf der anderen Baumseite. Mitarbeiter des Bauhofs sind mit Bagger und Fahrzeugen vor Ort, räumen auf. Viel bleibt von dem einst stolzen Prachtstück, das schon seit Jahren gepflegt und gestützt wurde (der Courier berichtete) nicht mehr zurück. Schnell sammelt sich eine Traube Menschen um die Einsatzstelle.

Anfang Mai entstand dieses Foto von der Linde.
Michael Kierstein
Das Bild entstand Anfang Mai.
 

„Schade, der Baum gehörte zu Bordesholm dazu“, sagt Elke Züllchner, die seit 40 Jahren in der Gemeinde wohnt. „Aber jetzt ist seine Zeit gekommen.“ So sieht es auch Marlies Beick, die in Bordesholm aufgewachsen ist und gerade zu Besuch bei ihrer Mutter war. „Es wurde so viel Geld in den Erhalt gesteckt. Das hätte man auch gut woanders verwenden können“, erklärt sie und spricht sich wie Elke Züllchner dafür aus, den Baum komplett zu entfernen und eine neue Linde dort zu setzen. Ableger des historischen Holzes gibt es bereits. Vor sieben Jahren nahm Sven Ingwersen die Setzlinge ab. „Die sind mittlerweile rund vier Meter hoch“, weiß er.

„Was nun passiert, muss die Politik entscheiden“, betont Heinrich Lembrecht. Für ihn gibt es zwei Optionen. Entweder der Baum kommt ganz weg und ein neuer wird gepflanzt, oder die Reste des alten Baumes bleiben als Natur- und Kulturdenkmal stehen. Am Donnerstag, 7. Juni, beschäftigt sich der Umweltausschuss bei seiner Sitzung mit dem weiteren Vorgehen.

Auch Klaus Elwardt ist gekommen und weiß nicht so recht, was er sagen soll. Der Chef der Bordesholmer Liedertafel feiert mit seinen Vereinsmitgliedern und Gästen am kommenden Wochenende das 150-jährige Bestehen, und die Linde ist weg. Auch das Dinggericht sollte dort stattfinden. „Ich kann mir vorstellen, dass wir trotzdem alles so machen wie geplant. Es wird dann quasi auch ein Abschiedsfest für die Linde“, sagt er.

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