Privatparkplatz Bahnhofstraße : Boostedter empört: 146,79 Euro fürs Falschparken

In Boostedt sorgen Tickets für Aufruhr. Umstritten sind die Kameras auf dem Grundstück an der Bahnhofstraße.

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22. Februar 2020, 07:00 Uhr

146,79 Euro für einmal Falschparken: Das sorgt in Boostedt für gewaltig Ärger. 160 dieser teuren Knöllchen sollen bereits verschickt worden sein. Betroffen sind Autofahrer, die ihren Wagen auf einem Privatparkplatz neben dem Sparkassen-Parkplatz an der Bahnhofstraße abgestellt haben.

Schilder weisen auf eine Videoüberwachung und auf die Kosten hin. Allerdings: Die Parkplätze gehören zu zwei Firmen. Und die Firma Fürstenwerth distanziert sich von den Aktionen des zweiten Mieters, eines Versicherungsmaklers.

Mehrere dieser Schilder weisen die Autofahrer darauf hin, dass das Parken hier teuer werden kann. Knackpunkt: Es gibt verschiedene Auffassungen davon, zu welcher Firma welche Parkplätze gehören.
Susanne Otto
Mehrere dieser Schilder weisen die Autofahrer darauf hin, dass das Parken hier teuer werden kann. Knackpunkt: Es gibt verschiedene Auffassungen davon, zu welcher Firma welche Parkplätze gehören.
 

40 Euro Schadensersatzpauschale

„Privatparkplatz. Falschparker zahlen bis zu 40 Euro Schadensersatzpauschale zuzüglich Rechtsverfolgungskosten.“ Das steht auf mehreren blauen Schildern auf dem Parkplatz. Wer sich nicht daran hält, wird gleich zur Kasse gebeten. Fotos werden über die App Park Collect an die Firma Euro Collect weitergeleitet, die dann die Tickets über 146,79 Euro ausstellt.

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Bianca Fürstenwerth: Das ist Abzocke

„Das nenne ich Abzocke“, sagt Bianca Fürstenwerth, deren Mann Torsten die Wartungs- und Montagefirma neben dem Maklerbüro betreibt. Hinter dem Haus ist eine große Parkfläche.

Laut Mietvertrag können beide Mieter die Fläche so nutzen, wie sie frei ist. Bianca Fürstenwerth
 

Makler: Parkplätze dringend für seine Kundschaft nötig

Das sieht der Makler, der nicht namentlich genannt werden möchte, anders. Er habe sechs Parkplätze hinter dem Haus an der Bahnhofstraße angemietet, zwei gehören nach seinen Angaben den Fürstenwerths. Er brauche die Parkplätze dringend für seine Kundschaft und habe deswegen auf die App Park Collect zurückgegriffen, nachdem die Polizei „leider nicht hat helfen können“ und das Anbringen einer Kette vom hinteren Mieter abgelehnt worden sei.

Vom Vermieter wurde ein gemeinsames Schild aufgestellt, das auf die Videoüberwachung und Parkplätze hinweist, weiter wurde durch zwei Schilder die Zone, wo sich zusätzliche Parkplätze von uns befinden, markiert. Auf diese Zonen greifen die Kamera und App zurück. Der Makler
 

Kamera sorgt ebenfalls für Ärger

Ein weiterer Streitpunkt ist die Kamera, die den Parkplatz überwacht und die Fotos der Falschparker liefert, die an die App weitergeleitet werden. Nachdem die Türschlösser seiner Firma mehrfach zugeklebt worden waren und es einen Buttersäure-Angriff gegeben habe, diene die Kamera der Sicherheit seiner Mitarbeiter, sagt der Makler.

„Die Kamera zur Überwachung des Parkplatzes wurde ohne unsere Erlaubnis angebracht. Wir haben einen Anwalt eingeschaltet. Wir verlangen, dass die Kamera abgebaut wird.“ Auch Kunden und Familie von den Fürstenwerths haben bereits die kostspieligen Tickets erhalten, obwohl sie dort parken dürfen. Auch weitere Geschädigte haben einen Anwalt eingeschaltet.

Der Makler aber sagt: „Wer ins Büro kam und sich entschuldigt hat, hat kein Ticket bekommen. Außerdem achten wir darauf, ob der Kunde, der aussteigt zur Sparkasse geht, die eigene Plätze hat, oder zu uns.“

40 Euro gehen an den Makler

Von den 146,79 Euro gehen 40 Euro an den Makler: „Das Geld spende ich an das Kinderhospiz Sternenbrücke und das Tierheim in Henstedt-Ulzburg.“

Der Neumünsteraner Rechtsanwalt Matthias Schwarz erklärt einen Knackpunkt bei diesem Streit: „Der Makler ist Mieter, aber nicht Alleinberechtigter.“ Und es sei nicht klar, welcher Parkplatz, wem zur Verfügung stehe. Die zweite Kamera, die nach vorne ausgerichtet sei, sei illegal, weil sie auf den Eingang der Sparkasse ausgerichtet sei und damit ein öffentlicher Bereich gefilmt werde. Schwarz vertritt allein zehn Mandanten in dieser Sache.

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