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Bundeswehr in der Rantzau-Kaserne : Boostedt: Die Soldaten sind weg

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am Freitag wurde zum letzten Mal die Fahne von Soldaten eingeholt. Bis September 2016 bleibt noch das Personal des Dienstleistungszentrums. Der Großteil der Gebäude wurde zu einer Erstaufnahme für Flüchtlinge umgebaut.

Boostedt | Für die Soldaten ist jetzt endgültig Schluss: Freitagmorgen kurz nach 9 Uhr wurde in der Rantzau-Kaserne nach 57 Jahren offiziell zum letzten Mal die Deutschlandfahne von den Soldaten der Bundeswehr eingeholt.

Zu diesem Akt, der ohne großes Brimborium vollzogen wurde, war der Standortälteste, Kapitän zur See Matthias Kähler (Kommandeur der Marine-Unteroffiziersschule in Plön), nach Boostedt gekommen. Und auch einige Ehemalige waren extra zum Abschied gekommen.

Nachdem in den vergangenen Wochen mit einer kleinen Gruppe Soldaten unter der Führung von Hauptmann Michael Förster (Nachkommandoführer) und Oberstleutnant Volker Pietschmann (Kasernenkommandant) die letzten Aufgaben abgewickelt worden waren, verbleibt nun nur noch das Personal des Dienstleistungszentrums der Bundeswehr auf dem Gelände. Dieses ist bis voraussichtlich September 2016 für die Energiezentrale und die Pflege des Truppenübungsplatzes zuständig. Dann geht das Gelände endgültig in die Verantwortung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über.

„Solange das Dienstleistungszentrum auf dem Gelände ist, wird die Fahne weiterhin gehisst werden. Allerdings übernimmt dies jetzt das Wachpersonal, das wie bisher vom Bund bezahlt wird. Der Eingang von der Von-dem-Borne-Straße bleibt weiterhin geschlossen. Entfernt werden jedoch, bis auf wenige technische Bereiche, die Abzäunungen zur Erstaufnahmestelle. Die dortige Polizeistation wird nach einem entsprechenden Umbau dann in unser bisheriges Verwaltungsgebäude ziehen“, teilte Pietschmann mit.

Volker Pietschmann, der in Boostedt wohnt, wird zukünftig beim Landeskommando in Kiel seinen Dienst tun. Michael Förster, der ebenfalls in Boostedt lebt, wird dagegen in Hamburg die Leitung der Bundeswehrfachschulbetreuung übernehmen. Und auch den letzten fünf Soldaten wurden bereits neue Standorte unter anderem in Husum und Plön zugewiesen.

Der Weggang der Bundeswehr aus Boostedt, der seit vier Jahren beschlossene Sache ist, ist damit nun also nahezu vollzogen.

Auch wenn wechselnde Einsatzorte zum Berufsalltag der Soldaten gehören, war am Freitag Wehmut zu spüren. „Ich bin hier vor mehr als 25 Jahren eingezogen. Leicht fällt mir der Abschied nicht“, sagte Michael Förster.

Und auch Thomas Hinrichsen äußerte sich betrübt. „Ich war jetzt bei allen Schließungen der hiesigen Kasernen mit dabei gewesen. Erst die Sick-, dann die Scholtz- und die Hindenburg-Kaserne. Und nun die Rantzau. Das ist nicht mehr die Bundeswehr, für die wir uns als Berufssoldaten einmal entschieden haben“, erklärte der Stabsfeldwebel.

Die Rantzau-Kaserne  in Zahlen

17. März 1958:  Mit dem Panzerbataillon 13, später umbenannt in 183, zieht der erste Verband in die neue Kaserne ein.

3. Juni 1958:  Die Boostedter Kaserne wird an die Bundeswehr übergeben. Erster Kommandant ist Oberstleutnant Rettemeier.

Dezember 1966: Die Kaserne erhält ihren Namen: Rantzau-Kaserne. Die 72-jährige Gräfin Rantzau  enthüllt das Schild.  

 1962: Das Jahr ist von Alarm-Bereitschaften während der Kuba-Krise und dem Einsatz  bei der Flutkatastrophe an der Elbe geprägt.

1972: Es entstehen Neubauten auf dem Kasernengelände.  Das Panzerbataillon 183 wird auf den  Kampfpanzer Leopard umgerüstet.  Auf 53,4 Hektar Fläche und in etwa 40 Gebäuden ist Platz für etwa 2500 Soldaten.

1978/79: Während der Schneekatastrophe retten die Soldaten Leben.

Anfang der 80er-Jahre: Es werden die „Dämmerschoppen“ eingeführt. Daraus erwächst die Rantzau-Runde mit Vorträgen zu Bundeswehr und Gesellschaft, die 35 Jahre in Boostedt stattfindet.

1984: Große Außenwirkung haben  die Tage der offenen Tür. Zum Bürgerbiwak 1984 kommen 25000 Besucher.

 2003: Die Panzerbrigade 18 Holstein verlegt ihr Hauptquartier in die  Rantzau-Kaserne.

31. März 2007: Das Panzerbataillon 183 wird aufgelöst. Damit verabschiedet sich das letzte Panzerbataillon aus Schleswig-Holstein. Die Panzerbrigade 18 Holstein steht kurz vor der Auflösung Den  letzten Einsatz hat die Brigade im  Kosovo.

2010: Bis zum Jahr 2010 soll die Zahl der Soldaten in Boostedt auf 2200 steigen.

26. Oktober 2011: Schwerer Schlag für Boostedt: Der Bundesminister für Verteidigung, Thomas de Mazière, gibt die Streichliste für die Bundeswehr bekannt. Boostedt ist stark betroffen: Bis Ende 2015 wird die Rantzau-Kaserne abgewickelt. Über 1800 Soldaten und 120 Zivilangestellte verlassen Boostedt.

26. Juni 2014: In Boostedt findet zum letzten Mal die Rantzau-Runde statt. Die Gespräche werden nach Neumünster verlegt.

4. Dezember 2014: Es sind nur noch 250 Soldaten in der Kaserne. Das Instandsetzungsbataillon 166 wird aufgelöst.

1. April 2015: Vier Blöcke der Rantzau-Kaserne wurden vom Kasernengelände abgetrennt, um dort eine Außenstelle der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Neumünster zu schaffen. Die ersten von 500 erwarteten Flüchtlingen ziehen ein.

16. April 2015: Mit einem feierlichen Außerdienststellungsappell für das  Logistikbataillon 162 wird  in der Rantzau-Kaserne Abschied mit den Bürgern gefeiert.

30. August 2015: Es sind noch etwa 30 Soldaten in der Kaserne mit der Abwicklung beschäftigt.

19./20. September 2015: Die Rantzau-Kaserne wird vorzeitig geräumt, um Platz für mehr Flüchtlinge zu schaffen. Bis zu 2000 Menschen finden hier später eine erste Bleibe.  Nur ein Verwaltungsgebäude und ein weiterer Block werden noch von der Bundeswehr genutzt.

18. Dezember 2015:  Die  militärische Nutzung der Rantzau-Kaserne Boostedt endet. Dazu wird als letzter formaler Akt die Bundesdienstflagge eingeholt. Boostedt bleibt Bundeswehr-Standort, denn es gibt noch das Munitionslager zwischen Boostedt und Freiweide. Dort arbeiten etwa 40 Menschen.oh

Quellen: Panzerbrigade 18 Holstein,  Karl Jaensch: Die Chronik von Boostedt, Holsteinischer Courier

 

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