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30 Jahre Stadthalle : Bomben und Anarcho-Proteste

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Bauleiter Rainer Lucht und Gerd Krüger erinnern sich an den Bau der Stadthalle von 1983 bis 1986

Neumünster | Zwischen 1983 und 1986 wurde nach dem Entwurf der dänischen Architekten Krohn & Hartwig Rasmussen die Stadthalle gebaut. Rainer Lucht (77) war damals Bauführer der am Bau beteiligten Firma Hans Wagner, Gerd Kröger (73) Bauleiter des von der Stadt beauftragten Architekturbüros Schnittker. Sie kramten für den Courier in ihren Erinnerungen und in Fotoalben.

„Wir sollten schauen, ob nach deutschen Normen gebaut wird und dass die Kosten und Termine eingehalten werden. Das haben wir geschafft“, sagt Kröger. Die Stadthalle und das Theater wurden vier Monate vor dem eigentlichen Termin fertig. „Der Bau war ein Politikum. Es waren Wahlen im März, und man wollte mit der Eröffnung vor der Wahl glänzen“, weiß Kröger.

„Auf den Bau sind wir alle sehr stolz“, sagt Lucht, dessen Unternehmen in einer Arbeitsgemeinschaft mit drei anderen Firmen mit den Stahlbeton-, Erd- und Maurerarbeiten betraut war. Die Stadt legte viel Wert darauf, dass auch hiesige Firmen zum Zuge kamen.

Auch dass die Kosten mit 46,7 Millionen Mark im Rahmen blieben, erfüllt noch heute beide Bauleute mit Stolz. Kröger: „Das ist heute in Zeiten von Elbphilharmonie und Berliner Flughafen ja nicht selbstverständlich.“

Bautechnisch interessant war die Gleitschaltechnik für die Betonierung von Theaterrund, Treppenhaus und Bühnenturm. Hydraulische Heber schoben die Schalung Zentimeter um Zentimeter nach oben, so dass nahtlos ohne Pause gearbeitet werden konnte. „Das war einmalig für Neumünster. Es wurde Tag und Nacht gearbeitet, auch wenn die Anlieger schimpften, dass stündlich die Betonmischer kamen. Aber es durfte keinen Stillstand und keinen Absatz geben“, sagt Kröger. In 292 Baustunden wurden auf diese Weise nonstop rund 1200 Kubikmeter Beton verbaut. Insgesamt schluckte der Stadthallenbau 9000 Kubikmeter Beton und 730 Tonnen Baustahl. Für das Verblendmauerwerk wurden 390 000 Ziegel benötigt.

Beide Zeitzeugen wissen auch Döntjes zu berichten, etwa einen Aprilscherz im Courier: Der hatte die Neumünsteraner aufgerufen, zur Akustikprobe in das neue Theater zu kommen. „Das waren dann ein paar hundert Leute“, sagt Kröger. Und es gab auch unliebsame Überraschungen. So musste am 27. August 1984 das Bombenräumkommando anrücken, denn bei der Verlegung der Regenwasserleitung wurde eine zehn Zentner schwere Fliegerbombe gefunden. Während der Bergung mussten alle Gebäude im Umkreis von 400 Metern geräumt werden. Alles ging glatt.

Bemerkenswert: Es gab keinen einzigen schwerwiegenden Unfall auf der Baustelle. „Dafür haben wir sogar eine Auszeichnung von der Berufsgenossenschaft bekommen. Es war schon selten, dass auf einer so großen Baustelle nichts passierte“, sagt Gerd Kröger.

Eine böse Überraschung gab es am Nikolaustag 1984. Stadthallen-Gegner aus der Anarcho-Szene hatte die Außenwände der Stadthalle mit roter Farbe beschmiert. Danach wurde ein Wachdienst engagiert.

Morgen feiert die Stadt mit einem Festakt den 30. Geburtstag des Theaters. 

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erstellt am 26.Feb.2016 | 12:00 Uhr

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