Bohnern und ausklopfen

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Früher gab es den großen Frühjahrsputz / Das war ein Spaß für uns Kinder

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22. April 2020, 15:36 Uhr

Neumünster | Der große Frühjahrsputz auf dem Land war früher eine Wissenschaft für sich. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde nach draußen geschleppt. Polstermöbel, Tische, Stühle und kleinere Schränke stellte man auf den Rasen zur gründlichen Reinigung. Das Teppichklopfen hallte in der ganzen Nachbarschaft wider. Wenn Schnee lag, breitete man die Teppiche auf dem Rasen aus. Wir Kinder durften nach Herzenslust darauf herumspringen. Nach dieser Prozedur waren die Teppiche wie neu.

Auch beim Bohnern der Holzfußböden hatten wir unseren Spaß. Nachdem unsere Mutter in mühsamer Handarbeit die Böden gespänt und mit Bohnerwachs eingerieben hatte, durften wir mit alten Lappen darauf herumrutschen, bis alles blank war. Gardinen kamen in die Badewanne und erstrahlten dann mit „Gardinenweiß“ in neuer Pracht. Der Inhalt der Kleiderschränke lüftete an langen Wäscheleinen an der frischen Luft. Matrazen durften nicht in Monaten mit R nach draußen, sonst drohte Rheuma. Das Schlafzimmer musste bis zum Mai auf die gründliche Reinigung warten.

Wenn das Vieh auf der Weide war, zog auch im Kuhstall der Frühling ein. Über Winter hatten sich viele Spinnenweben und Schmutz angesammelt. Wenn der Dreck mit Besen, Schrubber und viel Wasser beseitigt war, ging es ans Weißen. Mit Zementfarbe und Kalk bekamen alle Wände einen neuen Anstrich. Das war alles Frauenarbeit.

Viele frühere Gebräuche hätte ich gerne erhalten, aber auf einen aufwendigen Frühjahrsputz kann ich verzichten. Der ganz normale Putzfimmel reicht mir. Ich muss ehrlich zugeben: Vom Fußboden essen kann man bei mir nicht. Aber wer will das schon?


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