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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 07:36 Uhr

Ferienzeit : Blutspenden werden knapp

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wegen der Urlaubszeit fehlen im Friedrich-Ebert-Krankenhaus und beim DRK die Spender. Neumünster muss seinen Bedarf von außen decken

Blutkonserven sind nur sechs Wochen lang lagerfähig. Das ist eine Ferienlänge – und genau das Problem: Im Sommer geht das Spendenaufkommen deutlich zurück, denn viele Spender sind im Urlaub. „Das kann zurzeit durchaus zu Engpässen führen, denn der Verbrauch ist im gleichen Zeitraum gestiegen“, sagt der Leiter des Blutspendedienstes Itzehoe, Robert Adam: „Wir schrammen gerade so am Abgrund vorbei. Die Lager sind leer.“

Die Steinburger organisieren nicht nur den Blutspendedienst für die Kliniken in Itzehoe und Bad Bramstedt, sondern auch im Friedrich-Ebert-Krankenhaus. Jeweils am Montag, Mittwoch und Donnerstag ist im FEK Blutspendetermin, doch das Aufkommen deckt bei weitem nicht den Bedarf. Neumünster ist auf Spenden von außerhalb angewiesen. „Wir hatten 2013 genau 4357 Vollblutentnahmen“, sagt FEK-Sprecherin Maren von Dollen. Im gleichen Jahr verbrauchte das FEK laut Robert Adam aber 6000 Blutkonserven. „Es gibt eine Lücke, die von unserem Partner, dem Blutspendedienst Hamburg, gedeckt wird“, so Adam.

Das im FEK gespendete Blut wird dort nicht direkt im nächsten OP-Saal verwertet, sondern nach Hamburg ins Zentralinstitut für Transfusionswesen geschickt und aufbereitet. „Von dort beziehen wir seit Jahren unseren Bedarf an Blutprodukten von Vollblut bis Plasma“, sagt FEK-Chef Alfred von Dollen. 500 000 Euro kostet das pro Jahr. Von Dollen: „Einen Engpass gibt es nicht.“

Das unterstreicht auch Robert Adam. Allerdings sei es in früheren Jahren schon vorgekommen, dass Operationen wegen fehlender Blutkonserven verschoben werden mussten. Adam: „Das ist natürlich fatal. Es bedarf nur eines größeren Vorfalls, und wir könnten nicht mehr liefern. Wir leben immer von der Hand in den Mund.“

Im Sommer ist es auch beim Deutschen Roten Kreuz knapp. „Der Vorrat an Blutgruppe A reicht für zwei Tage“, sagt Dr. Birgit Stürmer. Sie ist die leitende Ärztin beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost und war gestern wieder einmal in Neumünster: An jedem dritten Freitag im Monat ist in der DRK-Kreisgeschäftsstelle an der Schützenstraße Blutspendetermin. 77 Spender ließen sich hier gestern zur Ader nehmen. Das ist für die Ferienzeit ein Spitzenwert. „Wir haben sonst immer zwischen 50 und 70 Spender“, sagt Neumünsters DRK-Vorstand Sven Lorenz.

Auf dem Land ist die Quote aber deutlich besser. „Je kleiner der Ort, desto größer die Spendenbereitschaft“, sagt Birgit Stürmer. Es gibt aber nicht nur ein Stadt-Land-Gefälle. „Gerade in der jungen Generation geht die Spendenbereitschaft deutlich zurück“, warnt Adam. Für Reinhard Schnee (63) aus der Gartenstadt ist es selbstverständlich, Blut zu spenden: „Ich war zwar selbst noch nie auf eine Konserve angewiesen, aber man kann ja nie wissen.“

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