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Prozess : Blutiger Streit endete jetzt vor Gericht

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nachdem ein Mann im Streit am Hals verletzt worden war, sahen sich die einstigen Nachbarn jetzt vor Gericht wieder. Letztendlich schlossen die Kontrahenten einen Vergleich.

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erstellt am 17.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Es war ein Streit unter Nachbarn, der im Oktober vergangenen Jahres blutig endete. Deshalb sahen sich die Kontrahenten jetzt vor dem Amtsgericht wieder.

Laut Anklage soll ein Bewohner (40) eines Mietshauses in der Innenstadt am 20. Oktober vergangenen Jahres bei dem Mieter (27) im ersten Stock geklingelt habe, in der Hand ein Messer. Als der Jüngere die Tür öffnete, soll der Angeklagte sofort auf ihn losgegangen sein. Zum einen soll er ihn gewürgt, zum anderen mit dem Messer am Hals verletzt haben. Irgendwann soll es dem Angegriffenen, der sich verzweifelt wehrte, gelungen sein, den Mann zu beruhigen und ihn ins Wohnzimmer zu lotsen. Er selbst ging nach eigener Aussage unter dem Vorwand, Getränke holen zu wollen, in die Küche. Von dort rief er die Polizei. Seine blutige Wunde am Hals wurde später im Krankenhaus genäht.

Vor Gericht schilderte der 27-Jährige als Zeuge und Nebenkläger noch einmal den Abend. „Ich hatte Todesangst. Ich hatte das Gefühl, es ginge um Leben und Tod“, erzählte der Mann. An viele Details konnte er sich jedoch nach mehr als einem Jahr nicht mehr erinnern. Hinzu kam, dass er ebenso wie sein Angreifer zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss stand.

Auch die Hintergründe des blutigen Streits konnte er sich letztendlich nicht ganz erklären. Möglicherweise war ein länger schwelender Streit eskaliert, nachdem der Jüngere einer Mieterin des Hauses beigesprungen war. Die Frau fühlte sich durch den Angeklagten offenbar verfolgt und drangsaliert. Er habe unter anderem ihr Schloss verklebt, hieß es. „Er war wohl in die Frau verliebt. Ich habe ihm gesagt, dass er sie in Ruhe lassen soll, weil er bei ihr ohnehin nicht landen kann“, schilderte der einst Verletzte die mögliche Vorgeschichte.

Der Angeklagte, der vor Gericht zu den Vorwürfen durchgehend schwieg, sah die Sache nach Aussage seines Verteidigers bereits nach der Tat komplett anders. Ein Polizist schilderte als Zeuge, wie der Festgenommene nach dem Geschehen sofort bestritt, seinen Kontrahenten mit einem Messer verletzt zu haben. Eine Untersuchung der Tatwaffe konnte die widersprüchlichen Aussagen nicht klären: Fingerabdrücke waren laut Gutachten an dem Messer, das in der Wohnung als vermeintliche Tatwaffe sichergestellt wurde, nicht zu finden.

Ein Hinweis des Staatsanwalts brachte in der strittigen Angelegenheit schließlich eine Einigung, ohne dass noch tagelang weitere Zeugen vernommen werdern mussten. Nachdem der Jurist darauf hingewiesen hatte, dass seines Erachtens gegebenenfalls auch nur eine fahrlässige Körperverletzung im Raum stehe, schlossen die Kontrahenten einen Vergleich: Jetzt muss der Angeklagte, der bisher strafrechtlich noch nie in Erscheinung trat, an den Nebenkläger zur Schadenswiedergutmachung 675 Euro zahlen. Sobald das Geld in Raten geflossen ist, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Dass es zwischen den beiden Männern erneut zu Auseinandersetzungen kommen wird, ist eher unwahrscheinlich: Der Angeklagte ist mittlerweile aus dem Haus ausgezogen. Auch sein Kontrahent will demnächst seine Sachen packen – wegen der schlimmen Erinnerungen.

 

 

 

 

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