zur Navigation springen

Wasbek : Blutiger Stich: Freispruch für den Ehemann

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Für eine Aufklärung der Vorwürfe fehlten die Zeugen.

Wasbek | Die Anklage schildert eine brutale Bluttat: Vor rund einem Jahr soll ein Mann (42) in einer Wohnung in Wasbek seiner Frau (34) im Streit ein Küchenmesser in den Bauch gestoßen haben. Gestern musste sich der Iraker wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Schöffengericht in Neumünster verantworten – und wurde freigesprochen. Denn es blieben keinerlei Beweise übrig.

Die Frau als einzige Zeugin machte gestern von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Offenbar war sie schon kurz nach dem blutigen Stich von der Version abgerückt, die sie anfangs der Polizei berichtet hatte und auf die sich die Anklage stützte. Und auch ihr Ehemann hüllte sich vor Gericht in Schweigen.

Laut Staatsanwalt war das Paar am 13. Juli 2016 gegen 21.30 Uhr in einer Wohnung in Wasbek in Streit geraten, während der Angeklagte gerade eine Melone schnitt. Es fielen Beschimpfungen. Plötzlich soll der Mann der Frau ein Küchenmesser mit zwölf Zentimeter langer Klinge in den Bauch gestoßen haben. Sofort presste die Verletzte die Hände auf die Wunde und flehte, er möge einen Krankenwagen rufen. Doch der Angeklagte habe sich aus Angst vor der Polizei geweigert. Erst nachdem die Frau versprach, die Verletzung als Missgeschick darzustellen, habe er ihr Hilfe geholt, hieß es. Mit einer sechs Zentimeter tiefen Wunde wurde die Frau ins Friedrich-Ebert-Krankenhaus eingeliefert, führte der Staatsanwalt aus.

Bereits in den Arztbriefen der Klinik und des weiterbehandelnden Mediziners ist von einer oberflächlichen Verletzung nach einem Missgeschick die Rede. Die Frau sei „beim Meloneschneiden abgerutscht und habe sich am Oberbauch verletzt“, notierten die Ärzte.

Gestern im Zeugenstand erklärte die Frau lediglich: „Ich möchte nichts sagen. Ich liebe meinen Mann und meine Familie.“ Das Paar gilt nach einer Heirat nach islamischem Ritus im Sommer 2016 kurz vor dem Messerstich zurzeit als verlobt. Damit hat die Frau das Recht zu schweigen.

Beide leben mittlerweile gemeinsam in Kiel und erwarten im Oktober ein Kind. „Danach möchten wir dann gern deutsch heiraten“, sagte die 34-Jährige.

„Beide haben von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch gemacht. Es stehen keine weiteren Beweismittel zur Verfügung“, erklärte der Staatsanwalt abschließend in seinem Plädoyer und forderte Freispruch für den Angeklagten, der als Friseur arbeitet. Dieser Auffassung schloss sich der Verteidiger kurz und knapp an.

„Weitere Tatzeugen hatten wir nicht. Der Anklagevorwurf hat sich mit den zur Verfügung stehenden Beweismitteln nicht nachweisen lassen“, urteilte die Richterin und sprach den Mann frei. Die Kosten trägt die Landeskasse.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 08:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert