zur Navigation springen

Stadt rüstet auf : Blindenampeln erleichtern den Alltag

vom

Lilo Worch (76) aus Einfeld stellte den Antrag an die Stadt. Zwei Ampeln sind mit moderner Blindenakustik ausgerüstet worden.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 07:58 Uhr

Neumünster | Wenn Lilo Worch bisher von ihrer Wohnung an der Neuen Straße in Einfeld beispielsweise zum Bäcker an der Dorfstraße oder zum Edeka-Markt am Roschdohler Weg wollte, war das für die 76-jährige blinde Einfelderin ein schwieriges und gefährliches Unterfangen - auch gemeinsam mit ihrem Blindenhund Olga. Denn entweder konnte Lilo Worch die Autos nicht hören, weil sie zu langsam und zu leise fuhren oder weil sie zu schnell herankamen und sie nicht einschätzen konnte, ob das Queren der Straße noch möglich war. Jetzt geht alles besser: Die Stadt hat zwei Ampeln mit einem Blindensignal ausrüsten lassen - für Lilo Worch eine enorme Erleichterung im Alltag.

"So mancher Autofahrer hält nicht an,selbst wenn mein Hund und ich mit meinem Blindenstock gut sichtbar sind", sagt sie. Als sie mit ihrer Olga und Hundetrainerin Nadja Steffen, Inhaberin der Blindenhundführschule Norderstedt, das Überqueren der Straßen übte, war für die Trainerin klar, dass eine solche Situation unhaltbar ist: "Das geht ja gar nicht, viel zu gefährlich", war ihr Kommentar. Sie ermutigte ihre Schülerin, bei der Stadt einen Antrag zu stellen. Das stieß auf offene Ohren. "Wir als Stadt sind dabei, nach und nach die Ampelanlagen behindertengerecht umzurüsten", sagt Sönke Folster, technischer Mitarbeiter für die städtischen Ampelanlagen.

Eine sogenannte Blindensignalisierung funktioniert so: Am Ampelmast wird zunächst ein permanentes akustisches Auffindesignal ("klack-klack" oder "tok-tok") gesendet, damit Blinde oder Sehbehinderte die Ampel hören. Unter dem Taster befindet sich ein Schalter, der gedrückt wird. Dann wird bei der Ampel-Grünphase ein Piepsen gesendet. In Einfeld rüsteten die Servicetechniker Jan Leverenz und Carsten Strauß von der Firma Siemens die Ampeln bei der Schule (Ecke Neue Straße/Dorfstraße) und am Roschdohler Weg um, setzten einen Tongeber ein, stellten die Verkabelung um und richteten Software ein.

Zwölf von 74 Ampeln sind in der Stadt laut Folster bereits mit moderner Blindenakustik ausgestattet. "Wir rüsten zwei Ampeln pro Jahr um, bei Bedarf auch mehr." Geplant sei für dieses Jahr auch die Kreuzung am Gänsemarkt. Kostenpunkt: 10 000 Euro.

Für Lilo Worch ist das "ein Stück Freiheit": "Ich kann allein zum Bäcker, zur Apotheker, zum Friseur und zum Einkauf." Ihrer Olga muss sie einfach den Befehl "Such Ampel" geben. Sie lobt die Stadt: "Das ist toll, dass die Stadt etwas für Gehandicapte macht, das ist sehr bürgerfreundlich."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen