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Parteienstreit : Blick über den Teich bleibt vorerst baumfrei

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bauausschuss lehnt die Ersatzbepflanzung am Teich überraschend ab. Enttäuschte SPD will die Entscheidung juristisch prüfen lassen.

von
erstellt am 05.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Die Straße am Teich wird vorerst nicht wieder zur Allee. Mit sechs zu fünf Stimmen lehnte der Bau- und Umweltausschuss am Donnerstagabend den Vorschlag der Stadtverwaltung überraschend ab, die neue Uferpromenade zwischen Kuhberg und Stadthalle mit 20 Säuleneichen zu bepflanzen. Das letzte Wort ist das jedoch noch nicht: Die SPD kündigte gestern eine juristische Überprüfung der Entscheidung an.

Nach den Vorstellungen der Stadt sollten auf der Uferpromenade Am Teich 14 neue Bäume gesetzt werden, die der Investor der Holsten-Galerie als Ersatz für (unvermeidliche) Baumfällungen rund um das neue Parkhaus stellen muss. Sechs weitere Bäume wollten die Stadtplaner aus anderen Ausgleichsmaßnahmen für das Teichufer abzweigen. 4000 Euro hätte die neue Bepflanzung die Kommune gekostet.

CDU, FDP und BFB konnte das dennoch nicht überzeugen. Die CDU hielt am freien Blick über den Teich als „derzeit beste Gestaltungsvariante fest“ (Ratsfrau Helga Bühse). Dr. Wolfgang Stein (FDP) hatte Bedenken, dass sich das „in den schönen Zeichnungen skizzierte einheitliche Erscheinungsbild“ der Eichen schon in ein paar Jahren erledigt haben könnte, die erwachsenen Bäume dann die Häuserfassade am Teich weitgehend verdecken.

Zünglein an der Waage war schließlich der Vertreter von BFB /Piraten, Volker Matthiensen. Dessen Fraktionschef Jörn Seib hatte vor wenigen Tagen zwar noch Unterstützung für den Verwaltungsvorschlag angekündigt, in der Abstimmung wechselte Matthiensen aber die Seiten und stimmte gegen die Neubepflanzung. Das sei die persönliche Meinung von Volker Matthiensen, sie entspreche nicht dem Meinungsbild der Fraktion, kommentierte Jörn Seib. Matthiensen habe sein abweichendes Votum aber in der Fraktion vorher angekündigt, das sei zu respektieren, sagte Seib. Matthiensen selbst war gestern nicht zu erreichen.

SPD und Grüne, die sich in den vergangenen Wochen wiederholt für die neue Allee stark gemacht hatten, zeigten sich enttäuscht über das Votum: „Das darf einfach nicht wahr sein“, entfuhr es bei der entscheidenden Abstimmung Heidemarie Stephan (SPD). Vergeblich hatte sie zuvor auf die breite öffentliche Unterstützung für die Säuleneichen verwiesen. Sowohl der Naturschutzbeirat als auch der Stadtteilbeirat und der Naturschutzbund Nabu hatten sich jüngst für die Allee ausgesprochen. Selbst Investor ECE hatte die Baumallee vis-à-vis der Galerie-Fassade begrüßt.

Stadt und ECE haben jetzt ein Problem. Denn um die Bauarbeiten nicht auszubremsen, hat die Verwaltung dem Investor bereits einen rechtskräftigen Bescheid ins Haus geschickt, wonach die Ersatzbäume „im Umfeld“ des Einkaufscenters gesetzt werden müssen: „Wir wissen nicht, wo die Bäume jetzt hin sollen“, räumte Heinrich Kautzky, Fachdienstleiter Umwelt, gestern unumwunden ein. SPD-Fraktionschef Uwe Döring will das zum Anlass nehmen, die Entscheidung im Ausschuss auf de Prüfstand zu stellen. Wenn es eine bindende Verpflichtung gebe, die gar nicht umgesetzt werden könne, stelle sich die Frage, ob der Beschluss wirksam sei, sagte Döring . Offensichtlich sei die rechtliche Seite im Ausschuss nicht ausreichend erörtert worden. Sollten sich die rechtlichen Bedenken erhärten, will der SPD-Fraktionschef die Baumallee am Teich im Rat erneut zum Thema machen. Gegebenenfalls könnte der Rat den Beschluss aus dem Bauausschuss wieder kassieren.

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