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Skulpturen : Bissee zeigt den „Aufstand der Karren“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Morgen wird „Skulptur in Bissee“ zum 20. Mal eröffnet. 20 Künstler zeigen in der Gemeinde Werke verschiedenster Art.

Bissee | Eine zweckentfremdete Telefonzelle thront in einem Vorgarten, ein alter Chevrolet scheint sich in einem Stall zu verstecken und 35 Schubkarren verweigern plötzlich ihren Dienst: Solch Sammelsurium an Skurrilitäten ist in Bissee einmal im Jahr Normalität. Bereits zum 20. Mal findet der „Skulpturensommer“ in dem Dorf zwischen Eider und Hügelland statt. Am Sonnabend wird die Ausstellung eröffnet, die bis zum 15. Oktober zu sehen ist.

166 Bildhauer haben sich hier bereits präsentiert. Mit unermüdlichem Schwung geht der Verein Skulptur in Bissee in die aktuelle Runde und zeigt eine spannende Retrospektive von 20 Künstlern.

„Wir muten den Bewohnern des Dorfes immer einiges zu“, gesteht Vereinsmitglied Karin Russ, weist aber gleichzeitig auf die ungeheure Mithilfe der Landwirte bei der Installierung der Werke hin. „Da werden dann schon mal Traktoren zu unentbehrlichen Kunsthandwerkern“, meint sie lächelnd. Dass sich die Mühe auch diesmal gelohnt hat, zeigt zum Beispiel Marie Luise Liebe mit ihrem Werk „Gefunden“, das nicht nur das Herz von Autoliebhabern höher schlagen lässt. Der auf eine 500 mal 140 Zentimeter große Lkw-Plane gebannte Chevrolet entpuppt sich erst beim zweiten Blick als eine Kopie des von der Künsterlin einst in Kuba fotografierten Wagens. Inspirieren ließ sich die einstige Ärztin, die von jeher autodidaktisch kreativ war, von Berichten über geheime Schätze in Scheunen und mit ihrem Werk hat sie diese Fantasie bereichert. Bodenständig und irgendwie auch politisch geht es bei Tina Schwichtenberg zu. 35 von Bürgern gespendete und ausrangierte Schubkarren stehen kopfüber im Gras und verweigern ihren angestammten Dienst. „Mit Arbeit ist hier nicht“, meint die in Berlin und Kiel wirkende Künstlerin scherzhaft und sieht ihre Installation „Aufstand der Karren“ als Aufruf zum Verweigern und Innehalten.

Jörg Plickat ist dagegen musischer unterwegs. Sein überdimensionales, zweigeteiltes Werk „Valse-Hommage à Chopin“ versucht das Klangvolumen und die „geheime Stille“ des berühmten Walzers a Moll des Pianisten einzufangen.

Vom 20. Mai bis zum 15.Oktober gibt es dies alles zu entdecken, darunter noch weitere zweckentfremdete Autos von Martin Schräder und Arno Neumann, eine Gruppe von „Heckenguckern“ und die Arbeiten der Chinesin Cui Yi, die vor fünf Jahren bereits als Studentin in Bissee anwesend war. Die Werke im Dorf sind frei zu besichtigen.

Die Vernissage findet morgen um 16 Uhr auf Hof Reese in Bissee statt. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer wird die Ausstellung eröffnen.  

Die Künstler beim 20. Skulpturensommer: Dorsten Diekmann, Georg Engst, Mogens Kischinovsky, Jo Kley, Jan Koblasa, Uschi Koch, Bernhard Lehmann, Marie-Luise Liebe, Arno Neufeld, Jörg Plickat, Arne Prohn, Joseph Salamon, Winni Schaak, Søren Schaarup, Martin Schräder, Benjamin Schubert, Tina Schwichtenberg, Mona Strehlow, Bettina Thierig, IngoWarncke/Ulf Reisener, Insa Winkler, Cui Yi.



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