Katholische Kirche : Bis Ostern schweigen die Glocken

Die Glocken von St. Vicelin werden an Karfreitag und Ostersonnabend nicht geläutet. Um  an den Tod Jesu zu erinnern, wird sein Todestag in Stille verbracht. Foto: rüscher (3)
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Die Glocken von St. Vicelin werden an Karfreitag und Ostersonnabend nicht geläutet. Um an den Tod Jesu zu erinnern, wird sein Todestag in Stille verbracht. Foto: rüscher (3)

Die Katholiken verbringen den Karfreitag in Stille. Es gibt weder Kirchenläuten noch Orgelspiel. Kinder-Sage: Die Glocken fliegen nach Rom.

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28. März 2013, 08:00 Uhr

Neumünster | Totenstille. Kein Glockengeläut, kein Orgelspiel von Gründonnerstag bis zur Osternacht. Im Gedenken an Jesus’ Tod verbringen die Katholiken den Karfreitag in Stille. "An dem Tag, an dem Jesus gestorben ist, können wir keine Glocken läuten", erklärt Julia Weldemann. Sie ist Gemeindereferentin der Pfarrei St. Maria-St. Vicelin.

Ein Brauch der katholischen Kirche ist es, den Kindern zu erzählen, dass die Glocken nicht läuten, weil sie nach Rom fliegen. "Genauer gesagt, flogen die Klöppel nach Rom, nicht die ganzen Glocken. Dort haben sie den Segen des Papstes abgeholt und ihn in die Gemeinden getragen", erklärt Julia Weldemann. So habe man den Kindern das Schweigen erklären und eine Verbindung zwischen der Weltkirche und den Kirchengemeinden vor Ort herstellen wollen. Heute erzählt Julia Weldemann den Kindern diese Geschichte nicht mehr. "Im Kindergottesdienst werde ich ihnen sagen, dass dieser Tag anders ist als die anderen. Karfreitag ist für uns ein trauriger Tag und das Glockenläuten etwas Fröhliches. Ich sage ihnen auch, dass sie ihre Handys den Tag über auslassen sollen", meint Julia Weldemann.

Das letzte Mal läuten die Glocken heute zum Abendgottesdienst in der St. Bartholomäus-Kirche in Faldera. Während der Andacht wird das letzte Abendmahl von Jesus nachempfunden. Die Orgel erklingt ein letztes Mal zum "Gloria", dann schweigt auch sie. Morgen, am Karfreitag, beginnt dann um 15 Uhr - zur überlieferten Todeszeit - der Gottesdienst "vom Leiden und Sterben Jesu Christi" in der Kirche Heilig Kreuz in Tungendorf. "Anstatt der Schellen kommt die Klapper oder auch Ratsche zum Einsatz. Der harte Klang erinnert symbolisch an die Schläge, die Jesus bekommen hat", berichtet die Gemeindereferentin.

Am Ostersonnabend versammelt sich dann die Gemeinde, um in den Sonntag hinein Nachtwache zu halten. Beginn ist mit der Lichtfeier draußen vor der Kirche St.Maria-St.Vicelin. Zum Glorialied ertönt dann das feierliche Orgelspiel, um die Auferstehung zu feiern. Zum großen Gottesdienst am Sonntag rufen dann wieder die Kirchenglocken.

"Das Brauchtum konzentriert sich sehr stark auf diese drei Tage", berichtet Julia Weldemann. Doch auch die Fastenzeit prägt die Zeit bis Ostern. "Die Altäre werden in dieser Zeit geschlossen, es stehen nur drei Leuchter statt sieben und auch keine Blumen im Altarraum - es ist sozusagen auch Fasten für die Augen", sagt Julia Weldemann. Sie freut sich schon richtig darauf, dass es in der Kirche ab Sonntag wieder bunter und fröhlicher ist.

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