zur Navigation springen

Plattdeutscher Abend : Birgitt Jürs hat das Gespür für feine Töne

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

100 Zuhörer genossen die Lesung.

Flapsige Worte? Fehlanzeige! Grobe Witze? Nicht bei ihr. Birgitt Jürs beherrscht die feinen Töne der Erzählkunst. Davon konnten sich am Freitagabend 100 Gäste im Theater der Niederdeutschen Bühne überzeugen. In Begleitung des Keyboarders Jürgen Heitmann las oder sagen wir besser: erzählte die Neumünsteraner Autorin Alltagsgeschichten, wie sie jedem von uns passieren können.

Doch Birgitt Jürs versteht es, mit scharfem Blick und großer Empathie, Geschichten zu ersinnen, die jeden aufmerksamen Zuhörer berühren. Da ist zum Beispiel die praktische Trude. Im Alter von 55 Jahren will sie das erste Mal vor den Traualtar treten. Die Garderobe muss wohl überlegt sein, schließlich „is de Kaark för dat Hart, de Seel und de Optik“. Die Geschichte, die Birgitt Jürs rund um den Kauf des Brautkleides spinnt, ist äußerst amüsant und dabei voller Lebensweisheiten. Auf die große Schlusspointe kommt es der Neumünsteraner Autorin nicht an. Ihre Geschichten leben von den Details mittendrin. Und genau diese Art der Erzählkunst lieben ihre Fans.

„In vielem, was in den Geschichten passiert, kann man sich selbst erkennen. Man fühlt sich aufgehoben, macht seinen Frieden mit den eigenen Unzulänglichkeiten“, findet Anne Lorenzen. Die ehemalige Neumünsteraner Geschäftsfrau kennt Birgitt Jürs seit vielen Jahren und lobte deren „natürlichen Stil“. Die Authentizität der Autorin und die angenehme Sprache haben es Lorenzen besonders angetan: „Birgitt Jürs spricht ein verständliches Platt und hat zudem eine wunderbare Singstimme“, urteilte sie. Davon konnten sich auch die übrigen Gäste am Freitagabend überzeugen. Selbstkomponierte Lieder mit eigenen Texten – natürlich alle auf Platt – zeugten vom musikalischen Talent der Künstlerin und ihres Begleiters Jürgen Heitmann und trugen ganz nebenbei zur familiären Atmosphäre im Studio-Theater bei.

„Uns gefällt die Stimmung hier immer wieder besonders gut“, meinten Christine Wowsnik und Heinz Theoboldt. Seit drei Jahren verpassen die beiden befreundeten Witwer keine Veranstaltung der Niederdeutschen Bühne. „Das kleine Theater ist wunderbar“ urteilte Wowsnik. „Auch die Veranstaltungen im Foyer besuchen wir gerne“, ergänzte Theoboldt. Als die beiden Neumünsteraner am Ende der Veranstaltung gemeinsam mit dem Rest des Publikums als „edle Spender“ verabschiedet wurden, waren sie doppelt zufrieden: Mit der Darbietung von Birgitt Jürs und Jürgen Heitmann und der Tatsache, dass die beiden Künstler zu Gunsten des Fördervereins der Niederdeutschen Bühne auf ihre Gagen verzichten.



zur Startseite

von
erstellt am 27.Okt.2014 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen