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Podiumsdiskussion : Bildungsministerin setzt auf externe Schulbewerter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf einer Podiumsdiskussion im Alten Stahlwerk diskutierten 90 Gäste zum Thema Schule.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | „Deutsche Schüler können nicht lesen“. Diese verkürzte Formel löste vor 15 Jahren den „Pisa-Schock“ aus. Seitdem ist viel passiert. Bildungspolitiker haben auf das schlechte Abschneiden reagiert und Reformen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität auf den Weg gebracht. „Inzwischen befinden sich unsere Schüler laut Pisa-Studie 2012 im oberen Mittelfeld“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst auf einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung im Alten Stahlwerk.

„Man kann an Pisa viel kritisieren, die Studie hat aber auch Impulse gegeben“, sagte sie und verwies vor 90 Gästen auf die große Abhängigkeit des Schulerfolges vom Elternhaus. „Damit hatte so niemand gerechnet“, sagte die Ministerin. Für sie seien empirische Daten zur Qualitätssicherung wichtig, und deshalb will sie in Schleswig-Holstein wieder externe Untersuchungen einführen. Eine Überprüfung von außen sei ein wertvolles Unterstützungsinstrument für schulische Arbeit, sagte Ernst.

„Kann man Unterrichtsqualität messen und wer ist dazu berufen? Was ist guter Unterricht aus Sicht der Eltern und wie gewährleistet eine Schule guten Unterricht?“ Mit diesen Fragen wandte sich Moderator Martin Habersaat an die Podiumsgäste. „Guter Unterricht braucht gute Rahmenbedingungen“, ist der Landeselternbeirat Dr. Thomas Hillemann sicher. „Dazu gehören motivierte Lehrkräfte, eine klare Unterrichtsstruktur, klare Leistungserwartungen und Methodenvielfalt“, so Hillemann. Für Angelika Knies, Schulleiterin der Anne-Frank-Schule aus Bargteheide, ist Bewegung und der „Blick über den Zaun“ unabdingbar. Schulleitung und Lehrer sollten sich fragen: Was kann ich verbessern, damit sich Schüler weiterentwickeln können. „Wir vermitteln Haltung, indem wir sie vorleben“, sagte Angelika Knies. Wer eine gute Atmosphäre an seiner Schule schaffe, der kann Schüler und Lehrer auch zum Umdenken bewegen“, ist sie sich sicher. „Lehrer müssen Kinder mögen.“ Alles andere könne man bei entsprechender Offenheit lernen. Ihr Schulleitungsteam hat einen Verbund mit anderen Schulen geschlossen. Regelmäßig besucht man sich gegenseitig im Unterricht. „Das ist nicht immer schön“, sagte Angelika Knies, „aber oft hilfreich“.

Auf diese Bewertung von außen setzt nun auch die Bildungsministerin. Die Inspektoren werden in Hamburg ausgebildet, im Februar wird die erste freiwillige Schule evaluiert. Weitere sollen folgen. Britta Ernst strebt möglichst schnell eine verpflichtende Evaluation an. Laut Prof. Dr. Jens Möller vom Institut für Psychologie der Uni Kiel ist es „wertvoll, mit Daten zu arbeiten, wenn es um Qualitätssicherung im Unterricht geht.“ „Damit die pädagogische Nachhaltigkeit externer Evaluationen gewährleistet ist, sollte die Bewertung intern fortgeführt werden“, meinte Besucher Siegbert Schwab vom GEW-Kreisverband Neumünster.

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