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Förderprogramm „Vivo : Bildungschancen von Anfang an

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft stellte ein neues Förderprogramm für Grundschüler vor. Die Böckler- und Fehrs-Schule sind Pilot-Schulen.

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erstellt am 25.Sep.2014 | 06:15 Uhr

Neumünster | Umut ist sechs Jahre alt und sehr schüchtern. Er würde gerne Theater spielen, traut sich aber nicht, vor der Klasse zu sprechen. Seit April entdeckt der Johann-Hinrich-Fehrs-Schüler seine Stimme, seine Stärken und gewinnt an Selbstsicherheit. Fünf Jahre lang begleitet das Grundschulförderprogramm „Vivo – Bildung von Grund auf“ Umut und seine gesamte Klasse in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung.

Entwickelt und finanziert wird das Programm von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW). Neumünster, wo auch eine Klasse der Hans-Böckler-Schule (HBS) gefördert wird, ist neben Hamburg und Düsseldorf einer von drei Pilot-Standorten. „Wirkliche Chancengerechtigkeit entsteht erst, wenn Kinder ihre Stärken unabhängig von ihrer sozialen Herkunft entfalten können“, sagte der Stiftungsvorstand Dr. Sven Murmann.

Er besuchte gestern mit Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk die Zweitklässler, die sich in der Gerisch-Stiftung an einer Kunstpräsentation versuchten. „Kunst und Kultur sind ganz eigene Sprachen, die Kinder neue Erfahrungen machen lassen“, sagte die Ministerin und lobte den frühen kulturellen Förderansatz. Diese Kreativität sei für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ganz entscheidend.

Zurzeit kommen zwei Theaterpädagogen in die Fehrs- und Böckler-Schule und arbeiten hier mit den Kindern. Zum Förderprogramm gehören aber auch Kunstprojekte wie jetzt in der Gerisch-Stiftung, das gemeinsame Forschen und Experimentieren, Ausflüge und Erkundungen, etwa der Arbeitswelt. „Die Kinder freuen sich schon immer auf Vivo, das Ameisen-Maskottchen“, sagte HBS-Lehrerin Tanja Borzikowsky: „Die Schüler sind viel selbstbewusster, gehen gestärkt in den Unterricht, die Lernmotivation steigt.“ Bärbel Wulf-Fechner, die Leiterin der Johann-Hinrich-Fehrs-Schule, lobte vor allem die Einbeziehung der Eltern.

Das Programm fördert Grundschulkinder aus sozial benachteiligten Stadtteilen, damit der Übergang auf die weiterführende Schule gelingt. „Wir wollen nicht stigmatisieren, begegnen den Eltern auf Augenhöhe und fördern daher auch den gesamten Klassenverband“, sagte Vivo-Leiterin Saskia Wittmer-Gerber. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Neumünster hatte sich nicht beworben, sondern war als Standort von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft ausgewählt worden.

Dass zunächst nur 150 Kinder in drei Städten gefördert werden, muss nicht das letzte Wort sein. „Ich hoffe, dass Vivo zu weiteren guten Projekten führt. Abkupfern ist erlaubt“, sagte Anke Spoorendonk. „Wir wollen als Stiftung auch anstiften, dass andere den Impuls aufgreifen“, sagte Sven Murmann und nannte das ehrgeizige Ziel: „Jedes Kind soll seine Bildungschancen aufgrund seines Potenzials nutzen können. Hier haben wir in Deutschland große Defizite.“

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